Siemens Energy setzt auf der Hauptversammlung in Berlin gleich mehrere Marker: Die Dividende kehrt zurück, ein Milliarden-Aktienrückkauf bleibt fest eingeplant – und beim Streitpunkt Siemens Gamesa stellt sich das Management demonstrativ gegen Forderungen nach einer schnellen Trennung. Genau hier entscheidet sich, ob der Kurslauf der vergangenen Monate nachhaltig bleibt.
Die Aktionäre haben erstmals seit 2022 wieder eine Dividende beschlossen. Für das Geschäftsjahr 2025 werden 0,70 Euro je Aktie ausgeschüttet – mit 99,99% Zustimmung. Möglich wurde das, weil eine deutsche Staatsgarantie vorzeitig zurückgezahlt wurde und damit verbundene Dividendenbeschränkungen wegfielen.
CEO Christian Bruch bekräftigte zudem das Rückkaufprogramm: Bis zum Ende des Geschäftsjahres 2028 sollen bis zu 6 Milliarden Euro in eigene Aktien fließen. Ergänzend plant der Konzern für 2026 rund 3,5 Milliarden Euro an Investitionen in Standorte sowie Forschung & Entwicklung.
Fundamental liefert der Konzern weiterhin Argumente. Im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2026 meldete Siemens Energy einen Rekordauftragseingang von 17,6 Milliarden Euro. Der Umsatz stieg auf 9,68 Milliarden Euro (+8,2%), der Gewinn vor Sonderposten sprang auf 1,16 Milliarden Euro – das entspricht einer Marge von 12%.
Treiber waren unter anderem:
- ein besonders starkes Quartal im Gas-Services-Segment mit 102 Gasturbinen (Bestwert in der Unternehmensgeschichte),
- sowie Grid Technologies, das von der Nachfrage nach Rechenzentrumsinfrastruktur profitiert, vor allem in den USA.
Der KI-bedingt steigende Strombedarf wird dabei ausdrücklich als struktureller Schub genannt. Bruch verwies zudem auf ein angekündigtes Investitionsprogramm von 1 Milliarde US-Dollar für US-Standorte, inklusive zwei Trainingszentren und 1.500 neuen Arbeitsplätzen.
Am Markt ist die Erwartungshaltung entsprechend hoch: Der Kurs liegt heute bei 163,00 Euro und damit nur 3,66% unter dem 52‑Wochen‑Hoch von 169,20 Euro. Gleichzeitig signalisiert ein RSI von 85,4, dass die Aktie kurzfristig deutlich heiß gelaufen ist.
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So stark die Zahlen im Konzern wirken – die Diskussion um Siemens Gamesa bleibt der zentrale Konflikt. Der US-Aktivistinvestor Ananym sieht die Windsparte langfristig als Belastung. Das Management erhält jedoch Rückendeckung von institutionellen Investoren wie DWS, Deka Investment und Union Investment, die sich laut Reuters gegen eine sofortige Trennung stellen.
Operativ zeigt Gamesa immerhin Fortschritte: Nach einem operativen Verlust von 1,36 Milliarden Euro im Geschäftsjahr 2025 schrumpfte das Minus im Q1 2026 auf 46 Millionen Euro. Ziel bleibt, im laufenden Geschäftsjahr die Gewinnschwelle zu erreichen. Aufsichtsratschef Joe Kaeser nennt langfristig eine zweistellige operative Marge als Ziel, Bruch sieht 3 bis 5% Marge bis 2028 als Zwischenstufe.
Damit wird klar, worauf es ankommt: Kann Gamesa 2026 wie angekündigt die Gewinnschwelle schaffen, sinkt der Druck auf eine Abspaltung spürbar – verfehlt die Sparte das Ziel, dürfte die Debatte wieder an Schärfe gewinnen.
Im Blickpunkt steht dafür ein konkreter Termin: Am 12. Mai 2026 werden die nächsten Quartalsergebnisse erwartet – und damit der nächste belastbare Zwischenstand, ob die Gamesa-Verbesserung mehr ist als nur ein guter Start ins Geschäftsjahr.
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