Die Eskalation im Nahen Osten versetzt zum Wochenbeginn die Börsen in Alarmstimmung. Nach der Tötung von Irans oberstem Führer Ajatollah Ali Chamenei bei amerikanisch-israelischen Luftangriffen am Wochenende reagierten die iranischen Revolutionsgarden mit Vergeltungsschlägen auf US-Stützpunkte und israelische Ziele. Der DAX startete daraufhin mit deutlichen Verlusten in die neue Handelswoche.
Gegen 9:30 Uhr notierte der deutsche Leitindex bei rund 24.715 Punkten – ein Minus von 2,3 Prozent gegenüber dem Freitags-Schluss bei 25.284 Punkten. Damit rückt die psychologisch wichtige Marke von 25.000 Punkten in unmittelbare Reichweite. Die vorbörslichen Indikationen hatten bereits auf eine Eröffnung unterhalb dieser Schwelle hingedeutet.
Im Zentrum der Sorgen steht die Straße von Hormus. Die strategisch bedeutende Meerenge ist für den weltweiten Öltransport unverzichtbar. Sollte der Iran die Passage für längere Zeit blockieren, drohen erhebliche Verwerfungen. Der Ölpreis der Nordsee-Sorte Brent schoss bereits um 9,8 Prozent auf 80,00 Dollar je Barrel nach oben.
Berenberg-Chefvolkswirt Holger Schmieding rechnet bei einer dauerhaften Sperrung mit spürbaren Folgen: Ein anhaltender Anstieg des Ölpreises um 15 Dollar pro Barrel könnte die Verbraucherpreise in der Eurozone um fast 0,5 Prozent erhöhen. Die verfügbaren Einkommen würden entsprechend schrumpfen – ein Bremsfaktor für das Wirtschaftswachstum.
Die Sektorenperformance zeigt das klassische Muster einer Flucht in sichere Häfen. Während der breite Markt nachgab, legten Rüstungsaktien kräftig zu: Rheinmetall und Hensoldt kletterten um bis zu 8 Prozent. Auch Versorger wie RWE hielten sich deutlich besser als der Gesamtmarkt.
Auf der Verliererseite standen konjunktursensible Branchen. Bankentitel gerieten mit Abschlägen von 3 bis 4 Prozent besonders stark unter Druck – die Deutsche Bank führte die Verliererliste im DAX an. Auch Technologiewerte und zyklische Konsumtitel mussten Federn lassen. Zalando und Siemens zählten ebenfalls zu den größten Verlierern.
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Trotz der geopolitischen Zuspitzung bescheinigen Marktteilnehmer dem Handel eine gewisse Disziplin. Jochen Stanzl, Chefmarktanalyst der Consorsbank, betont: "Wir sehen einen geordneten Handel. Es geht nach unten, aber von Panik kann keine Rede sein." Die Märkte scheinen in ihrem Basisszenario von einem zeitlich begrenzten Konflikt auszugehen.
Auch die Tatsache, dass der Ölpreis trotz der Eskalation deutlich unter der Marke von 100 Dollar blieb, spricht für eine gewisse Zurückhaltung. Volle Öllager und eine mögliche Fördermengenerhöhung der OPEC+ helfen dabei, die Angst vor einer Ölverknappung zu dämpfen.
Der Euro gab derweil nach und notierte am Montagmorgen bei 1,1704 Dollar – ein Rückgang von 0,8 Prozent. Der Dollar profitiert traditionell von seiner Rolle als sicherer Hafen in Krisenzeiten.
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