EU-Datenschutz: Gerichte und Staaten stärken die Grundrechte ( Finanztrends)

Die EU verteidigt ihre strengen Datenschutzregeln gegen Lockerungsversuche. In einer entscheidenden Woche haben Mitgliedstaaten und Gerichte die Grenzen der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) gestärkt.

Mitgliedstaaten stoppen Aufweichung der DSGVO

Im Streit um die Definition personenbezogener Daten haben die EU-Mitgliedstaaten eine klare Entscheidung getroffen. Sie strichen einen umstrittenen Passus aus dem geplanten Digital Omnibus, einem Gesetzespaket zur Vereinfachung digitaler Vorschriften. Die EU-Kommission hatte vorgeschlagen, Daten nicht mehr als „personenbezogen“ einzustufen, wenn der jeweilige Datenverarbeiter die Person nicht direkt identifizieren kann – selbst wenn andere in der Verarbeitungskette dies sehr wohl könnten.

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Ein durchgesickerter Kompromisstext des Rats vom 20. Februar zeigt: Dieser Vorschlag ist vom Tisch. Die Staaten folgten damit einer deutlichen Warnung der europäischen Datenschutzaufsicht. Das Europäische Datenschutzgremium (EDSB) und der Europäische Datenschutzbeauftragte (EDSB) hatten am 11. Februar vor einer „drastischen Verengung“ des Datenschutzrechts und mehr Rechtsunsicherheit gewarnt. Die Botschaft ist klar: Grundrechte gehen vor Bürokratieabbau.

EuGH prüft automatische Bankdaten-Übermittlung in die USA

Während in Brüssel gestritten wird, stellt der Europäische Gerichtshof (EuGH) die Praxis internationaler Datenflüsse auf den Prüfstand. Am 26. Februar registrierte das Gericht den bahnbrechenden Fall C-804/25. Es geht um die automatische Übermittlung europäischer Bankdaten an den US-Fiskus (IRS) gemäß dem Foreign Account Tax Compliance Act (FATCA).

Das Verfahren aus Belgien stellt dreizehn Vorabfragen. Kern ist, ob das aktuelle EU-US-Datenschutzabkommen auch für massenhafte steuerliche Datenübermittlungen an Behörden gilt. Das Abkommen wurde primär für kommerzielle Datenströme geschaffen. Juristen bezweifeln, dass es für automatische Finanzreports ausreicht. Der EuGH muss klären, ob dieses systematische Teilen gegen die Grundsätze der Verhältmißmäßigkeit und Datensparsamkeit der DSGVO verstößt.

Gericht: Gestohlene Daten befreien nicht von Sicherheitspflicht

Auch nationale Gerichte verschärfen die Anforderungen. Das britische Berufungsgericht urteilte Mitte Februar, dass Unternehmen ihre Sicherheitspflichten nicht loswerden, nur weil ein Cyberkrimineller die gestohlenen Daten nicht sofort entschlüsseln kann. Entscheidend ist die Perspektive des Datenverantwortlichen: Hält dieser die Daten für personenbezogen, gelten die vollen Sicherheitsvorschriften – auch nach einem Diebstahl.

Diese Rechtsprechung spiegelt den Fokus der Aufsichtsbehörden wider. Das EDSB will 2026/27 Leitlinien zu Anonymisierung und Pseudonymisierung vorlegen. Erste Untersuchungen in 32 Ländern zeigen: Viele Unternehmen setzen auf unzureichende Maskierungstechniken, statt Daten wirklich zu anonymisieren oder zu löschen.

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Analyse: Ein reiferes, hartes Datenschutz-Umfeld

Die parallelen Entwicklungen zeigen ein gereiftes, unnachgiebiges EU-Datenschutzregime. Die Ablehnung der neuen Daten-Definition verhindert eine riesige Hintertür für Tech-Konzerne und Datenhändler. Hätte die Kommission sich durchgesetzt, hätten Unternehmen leichter argumentieren können, dass fragmentierte Datensätze nicht der DSGVO unterliegen – und so Zustimmung, Auskunftsrechte und Verarbeitungsbeschränkungen umgehen können.

Der FATCA-Fall vor dem EuGH unterstreicht die Fragilität transatlantischer Datenflüsse. Die Angemessenheitsentscheidung für die USA steht erneut auf dem Prüfstand, diesmal für behördliche Massenabfragen. Unternehmen, die sich darauf verlassen, sollten vorsorglich Standardvertragsklauseln aktualisieren.

Ausblick: Mehr Aufwand für Unternehmen

Die Botschaft an die Wirtschaft ist eindeutig: Leichter wird es nicht. Die breite Definition personenbezogener Daten bleibt. Firmen, die mit Datenmonetarisierung oder KI-Training Geld verdienen, müssen in Privacy-Enhancing Technologies investieren – nicht auf legale Lockerungen hoffen.

Das EDSB will noch 2026 konkrete Leitlinien zu „Zustimmung oder Bezahlung“-Modellen und Kinderdaten vorlegen. Während der EuGH den FATCA-Fall verhandelt, müssen Banken und internationale Dienstleister sich auf strengere Transferregeln einstellen. Die Ereignisse Ende Februar 2026 belegen: Europa setzt Grundrechte über regulatorische Vereinfachung.



(27.02.2026)

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