Drei Fronten gleichzeitig — und das drei Tage vor der Veröffentlichung der Q4-Zahlen. Die Staatsanwaltschaft München I ermittelt wegen Untreue gegen frühere Vorstandschefs, die BaFin hat den Jahresabschluss 2023 formell beanstandet, und das Management sucht händeringend nach frischem Entschuldungspotenzial. BayWa steckt tief in der Krise — und der Druck wächst weiter.
Im Zentrum der Ermittlungen stehen die ehemaligen Vorstandschefs Klaus Josef Lutz und Marcus Pöllinger. Der Vorwurf: Die damalige Führung habe die Finanzlage des Konzerns im Jahresabschluss 2023 systematisch falsch dargestellt. Privaträume wurden bereits durchsucht. Für alle Beschuldigten gilt die Unschuldsvermutung.
Die BaFin kommt zu einem ähnlichen Befund. Die Finanzaufsicht beanstandete denselben Jahresabschluss offiziell: BayWa habe wesentliche Finanzierungsrisiken verschwiegen — konkret die Konditionen eines Milliardenkredits sowie Refinanzierungsrisiken für eine 500-Millionen-Euro-Anleihe und kurzlaufende Schuldverschreibungen über 632 Millionen Euro. Die Rüge trifft implizit auch Wirtschaftsprüfer PwC, der dem Abschluss ein uneingeschränktes Testat erteilt hatte.
Um zumindest einen Teil des Finanzlochs zu stopfen, bereitet BayWa den Verkauf seiner 74-prozentigen Beteiligung am neuseeländischen Obsthandelskonzern T&G Global vor. Das Unternehmen hat Craigs Investment Partners mit der Prüfung strategischer Alternativen beauftragt und meldet hohes Käuferinteresse. Insider rechnen mit einem Entschuldungsbeitrag von rund 300 Millionen Euro.
Gemessen an der Gesamtlücke ist das jedoch wenig. T&G Global erzielte 2024 einen Umsatz von 1,3 Milliarden Dollar bei einem operativen Gewinn von lediglich 12,7 Millionen Dollar — die Bewertung dürfte entsprechend begrenzt ausfallen.
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Am 26. März legt BayWa erstmals die konkreten Abschreibungen der Energiesparte offen. Die Reaktion der Gläubigerbanken auf diese Zahlen wird richtungsweisend sein. Parallel laufen Verhandlungen über eine Stillhaltevereinbarung bis Herbst 2026 — sie soll dem Konzern den nötigen Spielraum verschaffen, das gescheiterte Sanierungskonzept grundlegend zu überarbeiten. Scheitern diese Verhandlungen, muss das Management den Gläubigern einen vollständig neuen Plan vorlegen.
Intern schrumpft der Konzern bereits spürbar: Bis 2027 sollen rund 1.300 Stellen wegfallen, der Umsatz bis 2028 auf etwa 10 Milliarden Euro zurückgefahren werden. Den vollständigen Jahresabschluss 2025 erwartet BayWa wegen notwendiger Neubewertungen erst im vierten Quartal 2026. Die Aktie notiert mit einem Minus von rund 30 Prozent auf Jahressicht bei 14,55 Euro — deutlich unterhalb des 200-Tage-Durchschnitts von 17,48 Euro.
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