Deutschlands Autofahrer und Spediteure zahlen so viel wie nie für Benzin und Diesel. Eine Mischung aus neuen Steuern und globalen Krisen treibt die Preise. Die Bundesregierung reagiert nun mit Notfallmaßnahmen.
Grund für die dauerhaft hohen Preise ist die nationale CO2-Bepreisung. Seit Januar 2026 wird der Preis für Emissionszertifikate im Verkehrs- und Wärmesektor nicht mehr festgelegt, sondern versteigert. Die Tonne CO₂ kostet nun zwischen 55 und 65 Euro. Im Vorjahr lag die Obergrenze noch bei 55 Euro.
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Laut Berechnungen des ADAC schlägt diese Änderung mit etwa drei Cent pro Liter zu Buche. Verglichen mit der Einführung der Abgabe 2021 summieren sich die Aufschläge mittlerweile auf bis zu 18,6 Cent für Benzin und 20,5 Cent für Diesel. Die strukturelle Steuerlast für Verbrenner erreicht damit historische Höhen.
Die heimische Steuerlast wird durch internationale Krisen verschärft. Konflikte im Nahen Osten ließen den Ölpreis zuletzt über 90 US-Dollar pro Barrel steigen. Als Reaktion auf diese doppelte Belastung kündigte Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche am 11. März Notfallmaßnahmen an.
Kernstück ist ein geplanter Preisdeckel für Tankstellen. Sie sollen ihre Preise nur noch einmal täglich anheben dürfen. Senkungen bleiben jederzeit möglich. Dieses Modell orientiert sich am österreichischen Vorbild. Zudem will die Regierung Teile der nationalen Ölreserven auf den Markt bringen, um das Angebot zu erhöhen.
Bundesfinanzminister Lars Klingbeil warnte die Mineralölkonzerne vor überhöhten Gewinnmargen. Der Branchenverband EN weist dies zurück: Die hohen Verbraucherpreise seien auf gestiegene Großhandelskosten, einen schwachen Euro und höhere Logistikausgaben zurückzuführen – nicht auf Profite.
Die Folgen sind deutlich spürbar: Deutschland hat laut Monopolkommission die teuersten Kraftstoffe in der EU. Die Preise liegen etwa 20 Prozent über dem EU-Durchschnitt. Der Staat kassiert kräftig mit: Steuern und Abgaben machen etwa 64 Prozent des Benzinpreises und 56 Prozent des Dieselpreises aus.
Doch das komplexe Steuersystem hat Schlupflöcher geschaffen. Weil Umweltabgaben nicht sofort abgeführt werden müssen, bieten einige Anbieter Diesel ohne diese Kosten an. Seriöse Konkurrenten, die pro Tonne Diesel über 250 Euro an Umweltabgaben zahlen, sind dadurch benachteiligt. Experten warnen: Dieser Vollzugsdefizit untergräbt die Klimaziele und kostet den Staat Millionen.
Die CO2-Bepreisung trifft nicht nur den Verkehr. Das Brennstoffemissionshandelsgesetz (BEHG) gilt auch für Heizöl und Erdgas. Für energieintensive mittelständische Betriebe werden die Abgaben zu einem erheblichen Kostenfaktor.
Verbraucherschützer rechnen mit spürbaren Mehrkosten für Gewerbe und Privathaushalte. Viele Großverbraucher deckten sich deshalb bereits Ende 2025 mit Heizöl ein. Seit 2023 müssen Vermieter und Mieter die CO2-Kosten zudem anteilig tragen – abgestuft nach Energieeffizienz des Gebäudes. Das bedeutet einen erheblichen Verwaltungsaufwand für Eigentümer und Hausverwaltungen.
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Eine kurze Atempause ist in Sicht: Die Ampelkoalition hat beschlossen, den nationalen CO2-Preis 2027 auf dem Niveau von 2026 einzufrieren. Hintergrund ist eine EU-Entscheidung, die Einführung des EU-Emissionshandels für Verkehr und Gebäude (ETS II) um ein Jahr zu verschieben.
Deutschland behält sein nationales System also bis 2028. Dann übernimmt der EU-Markt – ohne die schützende Preisobergrenze von 65 Euro. Umweltökonomen warnen vor einem weiteren Preissprung ab 2028. Die aktuelle Krise unterstreicht damit eine Botschaft: Der Umstieg auf E-Mobilität und energieeffiziente Alternativen wird nicht nur ökologisch, sondern auch ökonomisch immer dringlicher.
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