Der Erweiterte Bewertungsausschuss kürzt die Honorare für psychotherapeutische Leistungen. Ab dem 1. April sinken sie pauschal um 4,5 Prozent. Gleichzeitig steigen sogenannte Strukturzuschläge um 14,25 Prozent. Die Entscheidung vom 11. März löste sofort massive Proteste aus.
Der GKV-Spitzenverband der Krankenkassen hatte ursprünglich eine Kürzung um zehn Prozent gefordert. Er begründet den Schritt mit einem gesetzlichen Honorarvergleich. Dieser habe ergeben, dass Psychotherapeuten in den letzten Jahren überproportionale Erhöhungen erhielten. Für die Kassen ist die gefundene Lösung daher ein "angemessener Kompromiss".
Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) stimmte dagegen. Sie und zahlreiche Berufsverbände kündigten umgehend Klagen an. Sie fürchten eine weitere Verschärfung der ohnehin angespannten Versorgungslage.
Fachverbände wie die Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK) bezweifeln, dass die höheren Strukturzuschläge die Kürzung ausgleichen. Diese Zuschläge kommen nach ihrer Einschätzung nur einem Teil der Praxen voll zugute. Die Kammer rechnet mit einer realen Honorarminderung von durchschnittlich 3,5 Prozent.
Der GKV-Spitzenverband hingegen spricht von einer geringeren Gesamtabsenkung von 2,3 Prozent für das laufende Jahr. Die Diskrepanz zeigt: Der Streit um die Zahlen ist in vollem Gange.
Der Widerstand formiert sich juristisch. Die KBV kündigte an, gegen den Beschluss beim Landessozialgericht Berlin-Brandenburg zu klagen. "Die Entscheidung ist fatal und geht zulasten psychisch kranker Menschen", sagte KBV-Chef Andreas Gassen. Sie schwäche einen wichtigen Versorgungsbaustein grundlos.
Auch die Deutsche Psychotherapeutenvereinigung (DPtV) und der Bundesverband der Vertragspsychotherapeuten (bvvp) wandten sich mit einer juristischen Stellungnahme an das Bundesgesundheitsministerium. Sie fordern eine Beanstandung des Beschlusses.
Die größte Sorge der Kritiker gilt den Patienten. Bereits jetzt warten viele Menschen monatelang auf einen Therapieplatz. Die Verbände warnen: Die Kürzungen gefährden die wirtschaftliche Grundlage vieler Praxen. Könnten sich Therapeuten deshalb vermehrt aus der Kassenversorgung zurückziehen oder auf Privatpatienten konzentrieren?
"Das sendet ein fatales Signal", kritisieren Vertreter der Psychotherapeutenkammer Berlin. Der Bedarf an Behandlung wächst kontinuierlich, während das System unter Druck gerate. Das Deutsche Psychotherapeuten Netzwerk (DPNW) rechnet vor: Die Einsparung macht nur etwa 0,05 Prozent der Gesamtkosten der gesetzlichen Krankenversicherung aus.
Die Debatte erscheint paradox: Psychische Erkrankungen sind eine der häufigsten Ursachen für Krankheitstage. Gesundheitsökonomische Studien belegen, dass investierte Euro in Psychotherapie einen gesamtgesellschaftlichen Nutzen von zwei bis vier Euro bringen können.
Sparen die Kassen also an der falschen Stelle? Der rheinland-pfälzische Gesundheitsminister Clemens Hoch kritisierte die Absenkung ebenfalls und kündigte ein länderübergreifendes Vorgehen an. Der politische Widerstand wächst.
Die kommenden Wochen werden entscheidend sein. Die eingereichten Klagen und eine laufende Petition mit bereits vielen Unterschriften erhöhen den Druck. Alle Blicke richten sich nun auf das Bundesgesundheitsministerium und die Gerichte.
Wird der Beschluss fallen? Oder gerät die psychotherapeutische Versorgung in Deutschland dauerhaft unter Druck? Die Fronten sind verhärtet, eine schnelle Lösung nicht in Sicht.
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