Der Ölpreisschock infolge des Persischen-Golf-Konflikts spielt BYD in die Karten — und das ausgerechnet kurz vor der Veröffentlichung der Jahreszahlen 2025. Am 26. März legt der chinesische Elektrofahrzeugriese seinen Jahresabschluss vor. Anleger warten gespannt auf Klarheit über Margenentwicklung und die Rentabilität der massiven Infrastrukturinvestitionen.
Brent-Rohöl kletterte innerhalb weniger Wochen von rund 75 US-Dollar je Barrel auf zeitweise 119 US-Dollar — ein Niveau, das zuletzt am 9. März 2026 erreicht wurde. Die Folge: Verbraucher in ganz Südostasien wenden sich verstärkt Elektrofahrzeugen zu. An einem BYD-Autohaus im Finanzdistrikt von Manila berichtete ein Verkäufer, in den vergangenen zwei Wochen so viele Bestellungen erhalten zu haben wie sonst in einem ganzen Monat.
Für die ersten neun Monate 2025 meldete BYD einen Umsatz von rund 566 Milliarden Yuan — ein Plus von 12,75 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Der Jahresabschluss wird zeigen, ob sich diese Dynamik im Schlussquartal fortgesetzt hat.
Das Bild auf dem chinesischen Heimatmarkt ist deutlich trüber. Die kombinierten Verkaufszahlen für Januar und Februar 2026 lagen — bereinigt um die saisonalen Effekte des chinesischen Neujahrsfests — rund 36 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Seit Jahresbeginn gilt in China wieder eine Kaufsteuer von fünf Prozent auf Elektrofahrzeuge; gleichzeitig liefen frühere Subventionsprogramme aus. Wettbewerber wie Geely und Leapmotor gewinnen in wichtigen Volumensegmenten an Boden.
Leon Cheng, Leiter der Mobilitätspraxis beim Beratungsunternehmen YCP, fasst es so zusammen: „BYDs Vorsprung ist real, aber er schrumpft. Eine vollständige Trendumkehr ist kurzfristig unwahrscheinlich, aber der Marktanteilsverlust im Inland ist die Richtung."
International sieht die Lage grundlegend anders aus. BYD überschritt 2025 erstmals die Marke von einer Million Auslandslieferungen und peilt für 2026 rund 1,3 Millionen Einheiten an — ein Anstieg von 24 Prozent. Cheng wertet das als entscheidenden Puffer: „Rein inländische Konkurrenten können das nicht replizieren."
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Während viele globale Automobilhersteller Stellen abbauen, stellt BYD massiv ein. Allein in der Sonderzone Shenshan sollen über 2.200 Industriemitarbeiter hinzukommen, in Xi'an weitere 1.800 — weitere Standorte wie Zhengzhou und Hefei folgen.
Technologisch setzt BYD auf eine vertiefte Partnerschaft mit Nvidia. Auf der GTC 2026 in Kalifornien bestätigte Nvidia-CEO Jensen Huang die Integration der DRIVE-Hyperion-Plattform in die nächste BYD-Fahrzeuggeneration, mit dem Ziel autonomes Fahren der Stufe 4 zu ermöglichen.
Geografisch diversifiziert sich BYD ebenfalls weiter: Das Werk in Ungarn startet die Serienproduktion im zweiten Quartal, in Deutschland plant BYD bis Ende 2026 ein Händlernetz mit mehr als 350 Standorten und Jahresverkäufe von über 50.000 Einheiten. In Australien profitiert das Unternehmen von einem neuen Emissionsgutschriftensystem, das chinesischen Marken mittlerweile 25 Prozent der Neuzulassungen beschert.
BYD produziert rund 80 Prozent seiner Kernkomponenten selbst — mehr als doppelt so viel wie Tesla. Das verschafft dem Konzern strukturelle Vorteile bei Preisgestaltung und Margen. Am 26. März wird sich zeigen, wie gut diese Struktur das Unternehmen durch ein Jahr mit Preisdruck im Inland, einem Exportrekord und hohen Investitionen in autonomes Fahren und neue Produktionskapazitäten geführt hat.
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