Morgen früh beginnt der Handel — und das Interesse war größer als erwartet. Das Orderbuch für den VINCORION-Börsengang ist nach Informationen des Handelsblatts von mehreren Insidern rund zehnfach überzeichnet. Bereits am ersten Zeichnungstag hatten die begleitenden Banken eine mehrfache Überzeichnung gemeldet. Die tatsächliche Dimension übertrifft diese frühen Signale erheblich.
Strukturell fällt ein Detail auf: VINCORION selbst erhält durch den Börsengang kein frisches Kapital. Der britische Mehrheitseigentümer Star Capital verkauft ausschließlich eigene Anteile — bis zu 20,3 Millionen Aktien mit einem Gesamtvolumen von rund 345 Millionen Euro. Die implizierte Marktkapitalisierung liegt bei 850 Millionen Euro, dem Sechsfachen des Kaufpreises, den Star Capital 2022 beim Erwerb von JENOPTIK zahlte.
Nach dem Börsengang hält Star Capital noch bis zu 47,5 % der Anteile. Für Stabilität sorgen drei Ankerinvestoren — Fidelity International, Invesco Asset Management und T. Rowe Price — die gemeinsam Aktien im Wert von 105 Millionen Euro zeichnen wollen, knapp ein Drittel des Angebots.
Das Investoreninteresse speist sich aus soliden Fundamentaldaten. Der Umsatz stieg 2025 um 18 % auf 240,3 Millionen Euro, das operative Ergebnis legte um 64 % auf 33,7 Millionen Euro zu, der Nettogewinn verdoppelte sich auf 19,4 Millionen Euro. Der Auftragsbestand von rund 1,1 Milliarden Euro sichert die Auslastung für die nächsten vier Jahre.
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Hinzu kommt ein struktureller Vorteil: 55 % des Umsatzes entfallen auf das Aftermarket-Geschäft — Wartung, Ersatzteile, Service. Das sorgt für wiederkehrende Einnahmen, unabhängig von neuen Großaufträgen.
Die Erstnotiz im Prime Standard der Frankfurter Börse erfolgt morgen, begleitet von BNP Paribas, J.P. Morgan und Berenberg. Einen Risikofaktor werden Investoren im Blick behalten: VINCORION ist auf staatliche Verteidigungsbudgets und Exportgenehmigungen der Bundesregierung angewiesen — eine Abhängigkeit, die bei politischen Kurswechseln schnell zum Belastungsfaktor werden kann.
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