Die mentale Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland verschlechtert sich erstmals seit der Pandemie wieder spürbar. Das zeigt das heute veröffentlichte Deutsche Schulbarometer der Robert Bosch Stiftung. Ein Viertel der Schüler fühlt sich demnach stark psychisch belastet.
Die repräsentative Studie der Robert Bosch Stiftung in Kooperation mit der Universität Leipzig offenbart deutliche Unterschiede. Rund 25 Prozent der befragten Schüler empfinden eine hohe psychische Belastung – ein Anstieg gegenüber dem Vorjahr. 15 Prozent gelten sogar als psychisch auffällig.
Die soziale Herkunft spielt eine zentrale Rolle. In einkommensschwachen Familien berichten 31 Prozent von erheblichen Belastungen. 36 Prozent dieser Kinder bewerten ihre Lebensqualität als niedrig. Auch bei Heranwachsenden mit sonderpädagogischem Förderbedarf zeigen 36 Prozent psychische Auffälligkeiten.
Fast die Hälfte aller befragten Kinder leidet unter hohem Leistungsdruck. Viele lernen auch am Wochenende für die Schule. Das soziale Klima zeigt Risse: Ein Drittel der Elf- bis Siebzehnjährigen wird mindestens monatlich schikaniert oder gemobbt.
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Hinzu kommt ein Gefühl der Ohnmacht. Die große Mehrheit wünscht sich mehr Einfluss auf Unterricht und Prüfungen, fühlt sich aber nicht gehört. 43 Prozent halten sogar offizielle Schülervertretungen für wirkungslos. Dabei korreliert mehr Mitbestimmung direkt mit einem besseren Wohlbefinden.
Die Folgen für das Gesundheitssystem sind drastisch. Ein aktueller Kinder- und Jugendreport der DAK-Gesundheit zeigt: Chronische Angststörungen bei 15- bis 17-jährigen Mädchen haben sich seit 2019 nahezu verdoppelt. Depressionen und Essstörungen verharren auf hohem Niveau.
Psychische Erkrankungen sind mittlerweile der häufigste Grund für Klinikaufenthalte bei Minderjährigen. Die Wartezeit auf einen Therapieplatz beträgt vier bis sechs Monate. Fachgesellschaften warnen: Ohne frühzeitige Hilfe drohen akute Belastungen zu chronischen Erkrankungen zu werden.
In dieser angespannten Lage formiert sich heftiger Widerstand. Der Berufsverband für Kinder- und Jugendpsychiatrie kritisiert Pläne des Bundesgesundheitsministeriums scharf. Zum 1. April sollen die Honorare für Psychotherapie gesenkt werden.
Die Ärzte argumentieren: Die Praxen seien jetzt schon überlastet, die mentale Gesundheit der Jugend so schlecht wie nie. In dieser Krise die finanziellen Mittel zu kürzen, sei unverantwortlich. Stattdessen fordern sie mehr Therapiekapazitäten und einen Ausbau präventiver Maßnahmen.
Bildungsforscher sehen junge Menschen im Dauerkrisenmodus. Sie müssen Pandemie-Nachwehen, globale Unsicherheiten und wirtschaftliche Instabilität verarbeiten. Soziale Netzwerke verstärken diese Belastung oft noch.
Doch die Schule kann auch Schutzraum sein. Die Studie zeigt: Guter Unterricht wirkt präventiv. Wenn Lehrkräfte wertschätzend führen, fordern ohne zu überfordern und das Klassenklima stärken, sinkt die psychische Belastung der Kinder messbar.
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Die Forderungen an die Politik sind klar. Notwendig ist ein flächendeckender Ausbau von Schulsozialarbeit und Schulpsychologie. Nur so entstehen niedrigschwellige Anlaufstellen für gestresste Schüler.
Programme zur Stressbewältigung und Resilienzförderung müssen fester Teil des Schulalltags werden. Angesichts der langen Wartezeiten auf Therapieplätze müssen Schulen und Vereine stärker in die präventive Arbeit einsteigen. Ob die Politik reagiert, wird sich bei den anstehenden Budgetverhandlungen zeigen.
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