Eine digitale Therapie-App hilft Erwachsenen mit ADHS nachweislich. Das zeigt eine neue Studie des Universitätsklinikums des Saarlandes, die diese Woche veröffentlicht wurde. Gleichzeitig widerlegen internationale Expertenanalysen den Mythos der Überdiagnose. Sie warnen stattdessen vor einer dramatischen Unterversorgung.
Die Forscher untersuchten über mehrere Monate 337 Erwachsene mit ADHS. Ein Teil der Gruppe nutzte zusätzlich zur Standardbehandlung die rezeptpflichtige App Attexis. Sie simuliert verhaltenstherapeutische Dialoge und hilft bei der Alltagsbewältigung.
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Das Ergebnis ist eindeutig: Die App-Nutzer verbesserten sich in klinischen Fragebögen signifikant stärker als die Kontrollgruppe. Die Effektstärke liegt auf dem Niveau klassischer Verhaltenstherapie. Die Anwendung helfe, den Alltag zu strukturieren und impulsive Handlungen zu kontrollieren, so die Studienleiter.
In der öffentlichen Debatte wird ADHS bei Erwachsenen oft als Modediagnose abgetan. Aktuelle Expertenauswertungen widersprechen dem vehement. Es gebe keine Belege für eine flächendeckende Überdiagnose, betonen Forscher der University of Cambridge.
Tatsächlich liegt die Diagnoserate mit etwa drei Prozent unter der erwarteten Häufigkeit. Der massive Anstieg der Neudiagnosen in den letzten heute Jahre resultiert vor allem aus besserer Aufklärung. Viele Betroffene, die als Kind übersehen wurden, suchen erst heute Hilfe. Die Folge: Wartezeiten auf einen Therapieplatz von bis zu drei Jahren.
Parallel zu den Therapiefortschritten liefert die Grundlagenforschung neue Erkenntnisse. Neurowissenschaftler in Australien fanden heraus, dass das Gehirn von Erwachsenen mit ADHS bei anspruchsvollen Aufgaben vermehrt langsame, schlafähnliche Wellen produziert.
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Das bietet eine biologische Erklärung dafür, warum Betroffene ihre Aufmerksamkeit nur schwer aufrechterhalten können. Eine weitere Studie identifizierte mittels KI zwei unterschiedliche neurobiologische Subtypen der Störung. Das erklärt, warum manche primär unaufmerksam sind, während bei anderen Hyperaktivität dominiert.
Angesichts der langen Wartezeiten werden digitale Gesundheitsanwendungen wie Attexis zum wichtigen Brückenbauer. Ihre erfolgreiche Validierung in klinischen Studien ebnet den Weg für den breiten Einsatz.
Gesundheitsexperten erwarten, dass solche Apps auf Rezept künftig standardmäßig als Erstlinientherapie verschrieben werden. Das könnte den Druck auf die überlasteten Praxen spürbar mindern. Die neuen Erkenntnisse zu den Neuro-Subtypen ermöglichen zudem den Weg zu personalisierten Therapien, maßgeschneidert für das individuelle Gehirn des Patienten.
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