Netflix kauft kein Filmstudio mehr — sondern die Technologie, um Filme anders zu machen. Die Übernahme von InterPositive, dem KI-Startup von Ben Affleck, kostet bis zu 600 Millionen Dollar und markiert eine klare strategische Kehrtwende.
InterPositive hat Werkzeuge entwickelt, mit denen Filmemacher bereits gedrehtes Material nachträglich bearbeiten können — störende Objekte entfernen, Hintergründe anpassen, Beleuchtung verändern, Farben korrigieren. Das System trainiert dabei ausschließlich auf dem Footage des jeweiligen Projekts, nicht auf fremden Filmen ohne Erlaubnis. In einer Branche, die KI-Missbrauch argwöhnisch beobachtet, ist das ein wichtiges Detail.
Regisseur David Fincher hat die Technologie bereits für einen noch unveröffentlichten Film mit Brad Pitt eingesetzt. Das gesamte 16-köpfige Team wechselt zu Netflix; Affleck selbst wird als Senior Adviser tätig. Die Technologie soll Kreativpartnern von Netflix zugänglich gemacht werden — ein kommerzieller Verkauf ist nicht geplant.
Zum Vergleich: Die bislang größte Netflix-Übernahme war der Kauf der Roald-Dahl-Rechte für rund 700 Millionen Dollar. InterPositive bewegt sich in ähnlichen Dimensionen.
Der Kontext ist entscheidend. Im Dezember 2025 hatte Netflix noch angekündigt, Warner Bros. Discovery für rund 82,7 Milliarden Dollar übernehmen zu wollen. Ende Februar zog sich der Konzern zurück — und kassierte dafür eine Abstandszahlung von 2,8 Milliarden Dollar von Paramount Skydance. Seitdem ist die Netflix-Aktie um rund 17 Prozent gestiegen.
Statt eines teuren Legacy-Studios investiert Netflix nun in Produktionstechnologie. Das passt zur Strategie: Der Konzern plant, 2026 rund 20 Milliarden Dollar für Inhalte auszugeben — und will dabei effizienter produzieren, nicht nur mehr.
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Die strategischen Entscheidungen treffen auf ein finanziell gesundes Unternehmen. Im vierten Quartal 2025 stieg der Umsatz um 17,6 Prozent auf 12,1 Milliarden Dollar. Die operative Marge lag im Gesamtjahr bei 29,5 Prozent, für 2026 peilt Netflix 31,5 Prozent an.
Besonders auffällig: Das Werbegeschäft wuchs 2025 um mehr als 150 Prozent auf über 1,5 Milliarden Dollar. Für 2026 erwartet das Management eine Verdoppelung auf rund 3 Milliarden Dollar. Der Gesamtumsatz soll zwischen 50,7 und 51,7 Milliarden Dollar liegen.
Wedbush-Analystin Alicia Reese brachte es nach dem WBD-Rückzug auf den Punkt: „Das Kerngeschäft ist phänomenal — der Deal war ein Nice-to-have, kein Muss."
Am 16. April 2026 legt Netflix die nächsten Quartalszahlen vor. Der Markt wird dabei vor allem auf das Wachstum der werbefinanzierten Nutzer und den Fortschritt im Cloud-Gaming schauen.
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