Der Bremer Raumfahrtkonzern schaltet in den Angriffsmodus. Während ein neuer ESA-Vertrag bereits in trockenen Tüchern ist, laufen im Hintergrund Gespräche über ein Rüstungsprojekt der Superlative, das die Dimensionen des Unternehmens verändern könnte. Investoren blicken nun gespannt auf den März – ist die fundamentale Neubewertung gerechtfertigt?
Die operative Basis stimmt: Am 10. Februar unterzeichnete die OHB-Tochter in Italien einen Vertrag mit der ESA über 81,2 Millionen Euro. Ziel ist die Entwicklung der Raumsonde RAMSES, die den Asteroiden Apophis bei dessen Erdanäherung im Jahr 2029 untersuchen soll. Inklusive Vorbereitungsmaßnahmen summiert sich das Volumen auf rund 150 Millionen Euro.
Die Herausforderung liegt hier in der Geschwindigkeit. Statt der üblichen Entwicklungszyklen muss das Raumfahrzeug in nur 3,5 Jahren startbereit sein. Dass OHB dies zutraut, unterstreicht das technische Selbstbewusstsein der Bremer, die bereits bei der Hera-Mission Rekordzeiten lieferten.
Die eigentliche Fantasie für den Aktienkurs liegt jedoch im Verteidigungssektor. Seit Ende Januar laufen bestätigte Gespräche mit dem Rüstungskonzern Rheinmetall über das Bundeswehr-Projekt „SATCOMBw Stufe 4“. Es geht um ein geschätztes Gesamtvolumen von bis zu 10 Milliarden Euro für ein souveränes Satellitennetzwerk.
Die Arbeitsteilung wäre klar definiert: Rheinmetall kümmert sich um die militärische Integration, OHB liefert die Satellitentechnik. Um für die geforderten Stückzahlen gerüstet zu sein, hat OHB bereits Fertigungskapazitäten im sächsischen Schöneck gesichert. Doch der Deal ist kein Selbstläufer: Der Platzhirsch Airbus Defence and Space buhlt ebenfalls um den Auftrag, und die geplante Fusion der Raumfahrtsparten von Airbus, Thales und Leonardo könnte den Wettbewerbsdruck massiv erhöhen.
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Unabhängig vom Ausgang des Rüstungspokers zeigen die Geschäftszahlen nach oben. Der feste Auftragsbestand sprang zuletzt um 47 Prozent auf über 3,1 Milliarden Euro. Auch der operative Rückenwind durch die Ariane 6, die im Februar erfolgreich Amazon-Satelliten ins All beförderte, stärkt die Bilanz der Tochter MT Aerospace.
Das Management reagierte mit deutlich angehobenen Mittelfristzielen: Bis 2026 soll die Gesamtleistung auf 1,4 Milliarden Euro steigen, bei einer EBITDA-Marge von 11 Prozent. Ab 2028 peilt der Konzern sogar die 2-Milliarden-Marke beim Umsatz an.
Der nächste wichtige Termin für Anleger ist der 19. März 2026. Mit der Vorlage des testierten Jahresabschlusses für 2025 muss OHB beweisen, dass sich das starke Auftragswachstum auch in profitablen Cashflows niederschlägt. Angesichts der anstehenden Investitionen für Großprojekte wird besonders die Liquiditätslage im Fokus stehen.
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