Der Nahost-Konflikt hat den globalen Energiemarkt mit voller Wucht getroffen. Nach Luftangriffen auf iranische Ölanlagen und der faktischen Blockade der Straße von Hormuz schießen die Ölpreise auf Rekordniveau. Die Weltwirtschaft steht vor einer schweren Stagflationskrise.
Der Hauptgrund für den historischen Preissprung ist die Lähmung der Straße von Hormuz. Diese strategische Wasserstraße ist normalerweise für etwa 20 Prozent der globalen Ölversorgung verantwortlich – rund 15 Millionen Barrel täglich. Doch jetzt liegen die meisten Handelsschiffe vor Anker oder weichen aus.
Eine Analyse von Goldman Sachs zeigt ein dramatisches Bild: Der Ölfluss durch die Meerenge ist auf nur noch 10 Prozent des üblichen Volumes eingebrochen. Die Folge: Exportnationen wie Saudi-Arabien oder die Vereinigten Arabischen Emirate können ihr gefördertes Öl nicht mehr abtransportieren. Ihre Lager laufen voll, die Produktion muss gedrosselt werden.
Katar warnt bereits vor einem kompletten Produktionsstopp. Sollte der Konflikt anhalten, könnten alle Golfstaaten binnen Wochen die Force Majeure erklären und ihre Förderung einstellen. Für Europa und Asien, die auf diese Lieferungen angewiesen sind, wäre das eine Katastrophe.
Die Märkte reagieren mit Panikverkäufen. Als der Handel am Montag begann, stürzten asiatische Indizes ab: Der japanische Nikkei verlor über sieben Prozent, Südkoreas KOSPI sogar mehr als acht Prozent. Die größte Sorge der Ökonomen heißt Stagflation – also stagnierendes Wachstum bei gleichzeitig hoher Inflation.
Die aktuelle Ölkrise könnte die Folgen des Ukraine-Krieges bei Weitem übertreffen. Analysten von Goldman Sachs warnen vor einem Ölpreis von 150 Dollar noch im März. Ein solcher Preisschock wäre 17-mal größer als der nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine.
Für die exportstarke deutsche Industrie sind das schlechte Nachrichten. Höhere Energie- und Transportkosten belasten die Produktion und treiben die Inflation weiter an. Die Europäische Zentralbank (EZB) könnte gezwungen sein, ihre angekündigten Zinssenkungen auf Eis zu legen – eine gefährliche Bremse für die Konjunktur.
Die Krise ist für Verbraucher bereits spürbar. In den USA schnellte der Durchschnittspreis für eine Gallone Benzin (ca. 3,78 Liter) innerhalb einer Woche um 47 Cent auf 3,45 Dollar. Experten rechnen damit, dass die Marke von vier Dollar noch diese Woche fallen könnte – ein Niveau, das seit Ende 2022 nicht mehr erreicht wurde.
Die US-Regierung zeigt sich dennoch entschlossen. Präsident Donald Trump verteidigte die Militäroperationen auf sozialen Medien als notwendiges Opfer, um die iranische Nuklearbedrohung zu beseitigen. Energieminister Chris Wright versicherte, der Preisanstieg sei nur vorübergehend. Die Märkte scheinen dieser Einschätzung nicht zu trauen.
Für den Welthandel bedeutet die Krise ein operatives Chaos. Die Zerstörung von Infrastruktur wie Öldepots und Entsalzungsanlagen macht etablierte Prozesse obsolet. Reedereien können keine Seeversicherung mehr für Fahrten in den Persischen Golf erhalten – der Handel liegt praktisch still.
Compliance-Abteilungen kämpfen mit Notfall-Routings, Force-Majeure-Erklärungen und einem sich ständig ändernden Sanktionsregime. Die Störung betrifft nicht nur Rohöl, sondern auch Flüssiggas und allgemeine Fracht. Unternehmen müssen sich teuer um alternative Lieferanten bemühen.
Die Zukunft der Weltwirtschaft hängt nun an einem seidenen Faden. Gelingt es nicht binnen eines Monats, die Straße von Hormuz wieder sicher zu machen, droht ein beispielloser Energiemangel. Regierungen müssten dann strategische Ölreserven in riesigem Umfang freigeben, um die Preise zu stabilisieren. Doch solange die Lieferketten im Nahen Osten unterbrochen sind, bleibt die globale Konjunktur extrem anfällig für weitere Schocks.
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