Die deutsche Baubranche schlägt Alarm: In diesem Jahr könnten weniger als 200.000 neue Wohnungen fertig werden. Das wäre ein historischer Tiefstand. Experten sprechen auf dem Wohnungsbau-Tag in Berlin von einem "eingefrorenen" Markt und warnen vor einer sich zementierenden Wohnungsnot.
Die Prognose stammt von führenden Forschungsinstituten. Demnach wird Deutschland 2026 nicht einmal die Hälfte des Regierungsziels von 400.000 neuen Wohnungen pro Jahr erreichen. Diese Marke wurde zuletzt vor über einem Jahrzehnt unterschritten.
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Zwar stiegen die Baugenehmigungen 2025 um 10,8 Prozent. Doch diese positive Entwicklung kommt zu spät. Wegen langer Bauzeiten und hoher Stornierungsraten schlägt sie sich nicht in fertigem Wohnraum nieder. Viele genehmigte Projekte starten aus Rentabilitätsgründen gar nicht erst.
Die Folge: Der Markt steht still. Rund 9,9 Millionen Menschen leben bereits in überbelegten Wohnungen. Wer heute umziehen will, muss oft mehr Miete für weniger Raum zahlen. Das bremst die Fluktuation im Bestand aus.
Die zentrale Hürde sind explodierende Kosten. In Metropolregionen liegen die reinen Baukosten bei durchschnittlich 4.630 Euro pro Quadratmeter. Mit Grundstück sind es sogar 5.400 Euro.
Was bedeutet das für Mieter? Eine wirtschaftliche Vermietung ist laut Analysen erst ab 18 Euro Kaltmiete pro Quadratmeter möglich. Für viele Durchschnittsverdiener ist das unerschwinglich. Die Schere zwischen Herstellungskosten und Zahlungsfähigkeit klafft immer weiter auseinander.
Die Kostenspirale dreht sich weiter: Die Baupreise stiegen zuletzt um 3,2 Prozent. Zimmerer- und Holzbauarbeiten trieben die Preise besonders an. Dazu kommen hohe Bauzinsen, die private und gewerbliche Investoren bremsen.
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Der Markt sendet widersprüchliche Signale. Die Baugenehmigungen legten im Januar 2026 um 8,4 Prozent zu. Gleichzeitig steigt die Insolvenzwelle im Baugewerbe ungebremst.
2025 gingen 10,1 Prozent mehr Bauunternehmen pleit. Im Dezember sogar 14,9 Prozent. Besonders mittelständische Projektentwickler geraten in Liquiditätsengpässe. Hohe Zinsen, gestiegene Kosten und wegbrechende Käufergruppen setzen ihnen zu.
Die Branche fordert radikale Vereinfachungen. Ein Hoffnungsträger ist der sogenannte "Gebäude-Typ E". Er soll es ermöglichen, auf nicht zwingende Komfortstandards zu verzichten. Das Ziel: Die Baukosten wieder unter 3.500 Euro pro Quadratmeter drücken.
Die Bundesbauministerin sieht sich unter Druck. Sie verweist auf den "Wohnungsbau-Turbo". Die Branche fordert jedoch stärkere Impulse, etwa bei steuerlichen Rahmenbedingungen und der Grunderwerbsteuer.
Wirtschaftsforscher halten eine leichte Erholung ab 2027 für möglich. Das ifo Institut prognostiziert dann etwa 205.000 Fertigstellungen. Doch selbst 2028 würde Deutschland noch 15 Prozent unter dem Niveau von 2024 liegen.
Die entscheidende Frage lautet: Reichen die steigenden Genehmigungszahlen aus, um den drohenden Absturz bei den Fertigstellungen abzufangen? Die kommenden Monate werden zeigen, ob der eingefrorene Wohnungsmarkt wieder in Bewegung kommt.
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