Tausende Psychotherapeuten und Patienten gehen heute in mehreren Städten auf die Straße. Sie protestieren gegen eine umstrittene Honorarkürzung, die zum 1. April in Kraft treten soll. Der Erweiterte Bewertungsausschuss hatte die Absenkung der Vergütung für fast alle psychotherapeutischen Leistungen um 4,5 Prozent beschlossen.
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Das Aktionsbündnis Psychotherapie hat zu den Großkundgebungen aufgerufen. In Mainz, Erfurt und Würzburg wollen die Teilnehmer ein deutliches Signal an das Bundesgesundheitsministerium senden. In Mainz wird auch die Vorsitzende der Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK) erwartet.
Den Kern des Konflikts bildet ein Schiedsspruch vom 11. März. Der Erweiterte Bewertungsausschuss entschied mit knapper Mehrheit für die Kürzung. Betroffen sind Langzeittherapien, Akutbehandlungen und psychotherapeutische Sprechstunden.
Als teilweisen Ausgleich erhöht der Beschluss die sogenannten Strukturzuschläge um etwa 14,25 Prozent. Diese Zuschläge sollen rückwirkend zum Januar gelten und Personalkosten in den Praxen finanzieren. Fachverbände halten diese Erhöhung für unzureichend.
Laut Berechnungen der BPtK führt die Neuregelung selbst für Praxen mit vollem Zuschlag zu einem realen Minus von 2,8 Prozent. Für viele Therapeuten liegt der Verlust sogar deutlich höher. Der GKV-Spitzenverband verteidigt die Maßnahme und verweist auf überproportionale Honorarsteigerungen der Vergangenheit.
Gegen die Entscheidung regt sich massiver juristischer und politischer Widerstand. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) und die Deutsche Psychotherapeutenvereinigung (DPtV) bereiten eine Klage vor dem Landessozialgericht Berlin-Brandenburg vor.
Die Verbände argumentieren, die Kürzung sei willkürlich und basiere auf veralteten Daten. Für die Berechnung seien Einnahmen aus dem Jahr 2024 herangezogen worden – ohne die seither explodierten Betriebskosten und die Inflation zu berücksichtigen.
Parallel dazu zeigt eine Petition an den Bundestag enorme Wirkung. Sie hat bereits über 377.000 Unterschriften gesammelt. Die Unterzeichner fordern das Gesundheitsministerium auf, den Beschluss zu beanstanden. In Fachkreisen gilt die Entscheidung als Affront gegen einen ohnehin schlecht bezahlten Berufsstand.
Experten warnen vor dramatischen Folgen für die Patientenversorgung. Schon heute warten Patienten in vielen Regionen monatelang auf einen Therapieplatz. Wirtschaftliche Bedrängnis könnte nun dazu führen, dass sich Therapeuten aus der gesetzlichen Krankenversicherung zurückziehen.
Die Lage ist paradox: Die ambulante Psychotherapie macht nur etwa 0,7 Prozent der Gesamtausgaben der Krankenkassen aus. Studien zeigen jedoch, dass jeder investierte Euro einen gesellschaftlichen Nutzen von zwei bis vier Euro bringt. Er verhindert Chronifizierungen, reduziert Fehlzeiten und vermeidet teure Klinikaufenthalte.
Besonders kritisch ist die Situation für junge Therapeuten in der Weiterbildung. Fachverbände befürchten, dass der Nachwuchs abgeschreckt wird. In ländlichen Regionen, wo die Versorgung bereits jetzt dünn ist, drohen erste Praxisaufgaben.
Das Bundesgesundheitsministerium unter Nina Warken prüft derzeit die Rechtmäßigkeit des Beschlusses. Sollte es ihn beanstanden, müsste der Bewertungsausschuss erneut beraten. Andernfalls treten die Kürzungen wie geplant in Kraft.
Auch in der Politik regt sich Kritik. Abgeordnete der Regierungskoalition äußerten sich besorgt über die Signale der Kürzung. Sie stehe im Widerspruch zum erklärten Ziel, die psychische Gesundheit der Bevölkerung zu stärken.
Für die kommenden Wochen sind weitere Proteste angekündigt. Verbände planen für Mitte April eine zentrale Kundgebung in Berlin. Die Klage vor dem Sozialgericht wird zwar keine aufschiebende Wirkung haben, könnte aber im Erfolgsfall zu Nachzahlungen führen.
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