Am 3. Februar 2026 verlor PayPal in einem einzigen Handelstag rund 20 Prozent seines Börsenwerts. Auslöser war eine Kombination aus schwachen Quartalszahlen, enttäuschender Prognose und einem überraschenden CEO-Wechsel. Jetzt folgt die juristische Aufarbeitung.
Die Anwaltskanzlei Kessler Topaz Meltzer & Check (KTMC) hat im Namen betroffener Aktionäre eine Sammelklage wegen Wertpapierbetrugs eingereicht. Der Klagezeitraum umfasst Käufe zwischen dem 25. Februar 2025 und dem 2. Februar 2026.
Der Kern des Vorwurfs: PayPal habe Investoren den Eindruck vermittelt, verlässliche Grundlagen für seine Wachstumsprognosen zu besitzen — und dabei Risiken durch Saisonalität und makroökonomische Schwankungen systematisch heruntergespielt. Die für 2027 gesetzten Ziele seien unter den damaligen Bedingungen schlicht nicht erreichbar gewesen, so die Kläger. Anleger, die als Lead Plaintiff auftreten möchten, müssen sich bis zum 20. April 2026 bei Gericht melden.
Konkret hatten die Q4-Zahlen für 2025 die Erwartungen verfehlt: Der Umsatz lag mit 8,68 Milliarden Dollar rund 120 Millionen Dollar unter dem Konsens, auch beim bereinigten Gewinn je Aktie gab es eine Enttäuschung. Für das erste Quartal 2026 stellte das Unternehmen nur ein schwaches Umsatzwachstum im niedrigen einstelligen Bereich in Aussicht — bei einem gleichzeitig rückläufigen bereinigten EPS.
Seit dem 1. März 2026 führt Enrique Lores das Unternehmen als President und CEO. Er war zuvor fast fünf Jahre im Aufsichtsrat und seit Juli 2024 dessen Vorsitzender. Das Management betonte, der Führungswechsel sei durch Ausführungsfragen motiviert gewesen, nicht durch eine grundlegende Strategieänderung.
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Lores selbst formulierte es direkt: PayPal habe bedeutende Stärken, aber das volle Potenzial sei bislang nicht ausgeschöpft worden. Ob er die nötige Kurskorrektur liefern kann, muss er in einem schwierigen Umfeld beweisen — die Aktie notiert aktuell rund 29 Prozent unterhalb ihres 200-Tage-Durchschnitts.
45 Analysten beobachten den Titel laut MarketBeat mit einem Konsens-Rating von "Halten". Das durchschnittliche Kursziel liegt bei 59,03 Dollar — die Spanne zwischen dem optimistischsten Ziel (100 Dollar) und dem pessimistischsten (32 Dollar) zeigt, wie groß die Unsicherheit ist.
Immerhin: PayPal stellt nach eigenen Angaben rund 18 Prozent des KI-Fachpersonals unter den führenden Zahlungsdienstleistern und ist für etwa 24 Prozent der dokumentierten KI-Anwendungsfälle in der Branche verantwortlich. Das könnte mittelfristig ein Differenzierungsmerkmal sein — vorausgesetzt, die neue Führung schafft es, diese Ressourcen in messbare Ergebnisse zu übersetzen. Genau das ist der Maßstab, an dem Lores in den kommenden Quartalen gemessen werden wird.
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