Oracle steht vor einem Balanceakt: Einerseits boomt das KI-Geschäft, andererseits wächst die Sorge der Anleger, dass die aggressive Expansionsstrategie das Unternehmen finanziell überfordert. Heute verlor die Aktie rund 3,6 Prozent – und das trotz zuletzt starker Quartalszahlen.
Im Zentrum der Skepsis steht ein 50-Milliarden-Dollar-Investitionsprogramm für das laufende Geschäftsjahr. Einen Teil dieser Summe will Oracle über ein sogenanntes At-the-Market-Programm aufbringen – konkret bis zu 20 Milliarden Dollar durch die Ausgabe neuer Aktien. Für bestehende Aktionäre bedeutet das eine spürbare Verwässerung ihrer Anteile. Hinzu kommen mehrere Sammelklagen, die prüfen, ob Oracle die kurzfristigen Umsatzperspektiven aus den Milliarden-Investitionen korrekt dargestellt hat.
Parallel läuft eine umfangreiche interne Umstrukturierung. Das Budget dafür wurde zuletzt um 500 Millionen Dollar auf insgesamt 2,1 Milliarden Dollar angehoben. Rund 982 Millionen Dollar wurden bereits ausgegeben, überwiegend für Abfindungen. Bis zum Geschäftsjahresende am 31. Mai stehen noch etwa 1,1 Milliarden Dollar für weitere Stellenabbaumaßnahmen bereit. Als Treiber nennt Oracle unter anderem verbesserte interne Entwicklerwerkzeuge, die den Bedarf an Softwareentwicklern reduzieren sollen.
Das operative Bild ist dabei keineswegs düster. Die verbleibenden Leistungsverpflichtungen – ein Maßstab für künftige Einnahmen – stiegen um 325 Prozent auf 553 Milliarden Dollar. Die Cloud-Umsätze kletterten um 44 Prozent auf 8,9 Milliarden Dollar, der Infrastrukturbereich wuchs sogar um 84 Prozent. Um den Kapitalbedarf zu begrenzen, setzt Oracle zudem auf ein „Bring-your-own-hardware"-Modell, bei dem Kunden eigene Prozessoren einbringen. Mehr als zehn Gigawatt an Rechen- und Energiekapazität wurden für die nächsten drei Jahre gesichert – der Großteil davon von Partnern finanziert.
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Institutionelle Investoren reagieren dennoch zurückhaltend. Davis Selected Advisers reduzierte seine Beteiligung im dritten Quartal um 49 Prozent und verkaufte rund 64.500 Aktien.
Der Markt zweifelt nicht an der Nachfrage nach KI-Infrastruktur, sondern daran, wie schnell der gigantische Auftragsbestand in tatsächlich verbuchte und profitable Umsätze umgewandelt werden kann. Solange diese Frage offen bleibt, dürfte der Druck auf die Aktie anhalten – trotz aller Rekordwerte im Auftragseingang.
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