Eine neue Studie aus Großbritannien schlägt Alarm: Mehr als die Hälfte der weiblichen Fachkräfte hat die Lust auf den nächsten Karriereschritt verloren. Der sogenannte „Promotion Burnout“ droht, den Fortschritt bei der Gleichstellung um Jahre zurückzuwerfen und die Wirtschaft zu schwächen.
Die am Freitag veröffentlichten Daten des Personaldienstleisters Robert Walters zeigen ein düsteres Bild. 54 Prozent der befragten Frauen geben an, weniger motiviert für eine Beförderung zu sein als noch vor zwei Jahren. Die Gründe sind tief verwurzelt: 81 Prozent fühlen sich in Beförderungsverfahren gegenüber männlichen Kollegen benachteiligt. Für 38 Prozent wird ihre Arbeit schlicht weniger wertgeschätzt.
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„Es geht nicht um mangelnden Ehrgeiz“, betont Lucy Bisset, Direktorin bei Robert Walters North. „Es sind anhaltende strukturelle Probleme, die Frauen ausbrennen lassen.“ Dazu zählen eine nicht repräsentative Führungsetage, übersehene Karrierechancen und mangelnde Anerkennung.
Ein zentrales Problem ist die geringe Sichtbarkeit weiblicher Führungskräfte. Nur 34 Prozent der Frauen sehen in ihrem eigenen Unternehmen inspirierende weibliche Vorbilder in Spitzenpositionen. Das ist ein kritischer Faktor für die Entwicklung von Ambitionen.
Die Zahlen untermauern diese Wahrnehmung: In den britischen FTSE-100-Unternehmen verharrte die Zahl weiblicher CEOs 2025 bei nur neun. Ein klarer Beleg für die gläserne Decke, die den Aufstieg blockiert.
Der „Promotion Burnout“ bei Frauen ist kein isoliertes Phänomen. Er trifft auf ein generelles Klima der Überlastung, wie der aktuelle „Burnout Report 2026“ von Mental Health UK bestätigt. Für Frauen kommt jedoch die strukturelle Benachteiligung hinzu.
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Der anhaltende Gender Pay Gap, über den der Gewerkschaftsbund TUC erst im Februar berichtete, verstärkt das Gefühl, für gleiche Leistung nicht fair behandelt zu werden. Diese Kombination aus hohem Arbeitsdruck und geschlechtsspezifischen Hürden drängt weibliche Talente aus den Führungspipelines.
Die wirtschaftlichen Implikationen sind erheblich. Ein LinkedIn-Bericht vom vergangenen Donnerstag stellte bereits eine Verlangsamung des Fortschritts von Frauen in Führungspositionen fest. Wenn erfahrene Frauen den nächsten Schritt scheuen, entsteht eine Lücke in der Talentpipeline.
Unternehmen verlieren wertvolles Fachwissen, Innovationskraft und die bewiesenen Vorteile diverser Teams. Zudem wird es für nachfolgende Generationen noch schwerer, aufzusteigen – ein Teufelskreis entsteht.
Die Studie ist ein unmissverständlicher Weckruf. Expertinnen fordern gezielte Maßnahmen: transparente Beförderungsprozesse, faire Anerkennungspraktiken und umfassende Mentoring-Programme.
Auch die Politik reagiert langsam. Die britische Regierung kündigte vergangene Woche Aktionspläne an, um Frauen in den Wechseljahren am Arbeitsplatz besser zu unterstützen – eine Phase, die oft mit dem Karrierehöhepunkt zusammenfällt.
Die Botschaft ist klar: Nur durch die Beseitigung systemischer Barrieren kann ein Umfeld entstehen, in dem Frauen ihr volles Potenzial entfalten, ohne auszubrennen. Die Zeit zum Handeln ist jetzt.
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