Deutschlands Autofahrer erleben einen teuren Schock an der Tankstelle. Ausgelöst durch eine neue Eskalation im Nahen Osten, haben sich die Spritpreise innerhalb weniger Tage dramatisch erhöht und die psychologisch wichtige Marke von zwei Euro pro Liter durchbrochen. Die Debatte über eine temporäre Preisbremse und Steuersenkungen ist damit schlagartig zurück.
Hinter dem Preisschock steht die jüngste militärische Konfrontation mit Iran und die Blockade der strategisch entscheidenden Straße von Hormus. Da etwa ein Fünftel des global gehandelten Öls diese Engpassroute passiert, reagierten die Märkte sofort mit Panik. Der Preis für Brent-Rohöl schnellte von rund 72 auf über 85 US-Dollar pro Barrel.
An deutschen Tankstellen schlug sich das unmittelbar nieder. Nach Daten des ADAC lag der Tagesdurchschnitt für Super E10 in der ersten März-Woche 2026 bei über 2,00 Euro. Diesel, besonders anfällig für industrielle Nachfrage, kletterte auf fast 2,09 Euro.
Doch die internationale Krise traf auf einen bereits hohen Preisrahmen, den deutsche Steuern vorgeben. Seit dem 1. Januar 2026 gilt für die nationale CO2-Bepreisung ein neuer Preiskorridor von 55 bis 65 Euro pro Tonne. Die konkrete Erhöhung zum Jahreswechsel schlug mit moderaten 3 bis 4 Cent pro Liter zu Buche.
Die kumulierte Wirkung der CO2-Abgabe seit ihrer Einführung ist jedoch erheblich: Sie macht inzwischen bis zu 18,6 Cent pro Liter Benzin und 20,5 Cent pro Liter Diesel aus. Zusammen mit der Energiesteuer und der auf den Endbetrag erhobenen Mehrwertsteuer stammen damit über die Hälfte des Tankstellenpreises aus staatlichen Abgaben.
Der ADAC erhöht nun den Druck auf die Politik und verlangt eine vorübergehende Absenkung der Energiesteuer auf Kraftstoffe auf das EU-Mindestmaß. Laut Berechnungen des Clubs würde das eine sofortige Entlastung von etwa 15 Cent pro Liter bringen.
Gleichzeitig kritisiert der ADAC die Preispolitik der Mineralölkonzerne scharf. Die aktuellen Preissteigerungen an der Tankstelle seien zu schnell erfolgt, obwohl das verkaufte Benzin aus Lagern stamme, die zu weit niedrigeren Rohölpreisen gefüllt wurden.
Andere Verbände gehen weiter. „Mobil in Deutschland e.V.“ startete eine Petition für die Wiedereinführung einer Spritpreisbremse, wie sie 2022 bereits existierte. Sie fordert eine strikte Preisobergrenze von 1,75 Euro für beide Kraftstoffe. Logistikunternehmen und Nahverkehrsbetreiber warnen indes vor existenzbedrohenden Folgen: Dauerhafte Dieselpreise über zwei Euro könnten kleinere Betriebe vom Markt fegen und Lieferketten sowie den ländlichen ÖPNV gefährden.
Die politische Reaktion aus Berlin fiel prompt, aber zurückhaltend angesichts milliardenschwerer Steuerausfälle. Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) kündigte eine umfassende Überprüfung der Preisbildung an Tankstellen an. Ziel sei es, auszuschließen, dass Mineralölfirmen die Krise für überhöhte Gewinnmargen nutzen.
Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) warnte die Branche, man werde nicht dulden, dass der Nahost-Konflikt auf Kosten der Verbraucher ausgeschlachtet werde. Das Bundeskartellamt wurde eingeschaltet, um mögliches wettbewerbswidriges Verhalten auf Raffinerie- und Großhandelsebene zu untersuchen.
Andreas Mundt, Präsident der Behörde, bestätigte die Marktbeobachtung, dämpfte aber zugleich die Erwartungen: Kartellrechtliche Instrumente könnten keine Preiserhöhungen rückgängig machen, die fundamental durch globale Rohstoffkosten getrieben seien.
Unter Wirtschaftswissenschaftlern und Umweltexperten ist die Forderung nach pauschalen Steuersenkungen höchst umstritten. Energieökonomen wie Manuel Frondel vom RWI – Leibniz-Institut halten allgemeine Rabatte für ökonomisch und ökologisch fragwürdig. Kritiker argumentieren, Steuersenkungen kämen vor allem Haushalten mit hohem Einkommen und großen Fahrzeugen zugute, unterdrückten notwendige Einsparanreize und unterminierten langfristige Klimaziele.
Die weitere Preisentwicklung hängt maßgeblich von der Beruhigung der Lage im Nahen Osten und der Wiederaufnahme des Schiffsverkehrs durch die Straße von Hormus ab. Marktbeobachter sehen Chancen auf moderate Rohölpreise, sollte sich die Geopolitik entspannen und das OPEC+-Kartell angekündigte Produktionssteigerungen umsetzen.
Bis dahin raten Verbraucherzentralen zu strategischem Tankverhalten. Statistiken zeigen regelmäßig, dass die Preise im Tagesverlauf stark schwanken – abends kann der Liter im Schnitt bis zu 13 Cent günstiger sein als in der morgendlichen Hauptverkehrszeit. Während die Debatte im Bundestag weitergeht, müssen Autofahrer einen volatilen Markt navigieren, an dem sich Weltpolitik und deutsche Steuergesetze unmittelbar bemerkbar machen.
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