Rüstungsboom, volle Auftragsbücher und ein verdoppelter Nettogewinn: Eigentlich lieferte die RENK Group am vergangenen Donnerstag genau das, was sich Anleger wünschen. Doch statt Applaus gab es Skepsis an den Märkten. Warum reagierte die Börse auf diese Bestmarken so verschnupft? Ein genauerer Blick auf die Prognose für 2026 und verschobene Aufträge offenbart, warum die Euphorie vorerst ausbleibt.
Die Zahlen für das Geschäftsjahr 2025 lesen sich auf den ersten Blick makellos. Der Augsburger Antriebsspezialist steigerte den Umsatz um knapp 20 Prozent auf 1,37 Milliarden Euro. Noch deutlicher legte der bereinigte operative Gewinn (EBIT) zu, der um 21,7 Prozent auf 230 Millionen Euro kletterte. Unter dem Strich verdoppelte sich der Nettogewinn fast auf 101,3 Millionen Euro.
Aktionäre sollen von dieser Entwicklung profitieren: Der Vorstand schlägt eine Dividendenerhöhung um 38 Prozent auf 0,58 Euro je Aktie vor. Besonders das Segment Vehicle Mobility Solutions erwies sich mit einem Umsatzplus von fast 25 Prozent als Zugpferd. Die weltweite Nachfrage nach Rüstungsgütern füllt die Kassen.
Trotz dieser Rekordjagd reagierte die Aktie nach der Veröffentlichung mit Kursabschlägen. Der Grund liegt im Ausblick. Zwar peilt RENK für 2026 einen Umsatz von über 1,5 Milliarden Euro an, doch die Gewinnprognose enttäuschte die hohen Erwartungen. Der Mittelpunkt der EBIT-Spanne (255 bis 285 Millionen Euro) liegt rund zwei Prozent unter dem Analystenkonsens.
Hinzu kommt eine operative Delle im vierten Quartal: Die sogenannte Book-to-Bill-Ratio fiel auf 0,7x. Marktbeobachter stören sich zudem an der Verschiebung von Aufträgen im Wert von rund 200 Millionen Euro in das laufende Jahr. Diese Faktoren erklären, warum der Titel aktuell bei 55,51 Euro notiert und damit weiterhin rund 37 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch liegt.
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Langfristig scheinen die Perspektiven dennoch intakt. Der Auftragsbestand erreichte zum Jahresende mit 6,68 Milliarden Euro einen neuen Höchststand. CEO Alexander Sagel sieht zudem im Nahen Osten weiteres Wachstumspotenzial, bedingt durch die dortige geopolitische Lage. Erste Aufträge für Panzer-Prototypen aus einem Golfstaat wurden bereits gemeldet.
Parallel dazu treibt der Konzern seine Internationalisierung voran. In den USA investiert RENK bis 2030 rund 150 Millionen US-Dollar in den Standort Michigan, um Forschung und Fertigung auszubauen. Auch das Ersatzteilgeschäft, etwa mit dem ukrainischen Verteidigungsministerium, gewinnt an Bedeutung.
RENK hat operativ geliefert, wurde aber Opfer der enorm hohen Markterwartungen. Die Diskrepanz zwischen Rekordzahlen und verhaltener Kursreaktion zeigt, dass Investoren die Nachhaltigkeit der Margen und die Termintreue bei Großaufträgen genau prüfen. Für Anleger wird der kommende Quartalsbericht am 6. Mai 2026 der nächste wichtige Gradmesser sein, ob die verschobenen Aufträge tatsächlich umsatzwirksam werden. Bis dahin dürfte die Hauptversammlung am 10. Juni 2026 den nächsten fixen Termin im Kalender markieren.
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