ATX-Trends: Fed-Zinssenkung, Amag, Andritz, Zumtobel, voestalpine, Mayr-Melnhof ...

Eine überraschende Leitzinssenkung der USA hat am Dienstag auch in Europa die wichtigsten Aktienmärkte schwanken lassen. Auf die Nachricht hin baute der EuroStoxx 50 seinen Gewinn zunächst deutlich aus, ehe der Kurszuwachs bröckelte. Am Ende blieb ein Plus von 1,0% bestehen, in Paris und in Frankfurt konnten die Indices 1,1% Zugewinn in den Schluss retten, in London schloss der Markt 1,0% befestigt.

Wegen der Gefahren für die Wirtschaft durch den Ausbruch des neuartigen Coronavirus hatten die US-Währungshüter den Leitzins am Nachmittag um 0,50 Prozentpunkte gesenkt. Allerdings wurde diese Maßnahme eher zwiespältig gesehen, auf der einen Seite wurde in Frage gestellt, ob es sich bei diesem Schnellschuss nicht um einen übereilte Aktion handeln würde, mit der schnell einmal das Pulver verschossen wurde, ehe die Auswirkungen an den realen Wirtschaftsdaten spürbar sind, auf der anderen Seite wurde bezweifelt, ob diese Maßnahme auch ausreichen würde, um größere wirtschaftliche Verwerfungen zu umgehen. Auch wurde darauf verwiesen, dass die Fed in einer außerplanmäßigen Aktion letztmals 2008 nach der Lehman-Pleite die Zinsen gesenkt habe. Nachdem angenommen werden kann, dass auch andere Notenbanken dem Vorbild der Fed folgen werden, in Australien ist das ja bereits geschehen, litt dementsprechend der Bankensektor besonders unter diesem Zinsschritt und der Sektor erlitt als einziger in Europa einen Verlust, und zwar im Ausmaß von 1,0%.

Schwächste Aktie im EuroStoxx war Nokia mit einem Minus von 2,5%. Anheuser Busch litt unter einer Abstufung durch die Bank of America von „Buy“ auf „Neutral“ und büßte 1,4% ein. Stärkster Wert im EuroStoxx war der Brillenkonzern EssilorLuxottica mit einem Plus von 4,9%. Am deutschen Markt waren die Titel besonders gefragt, die in der letzten Zeit deutliche Rückgänge hinnehmen hatten müssen, so konnte sich Lufthansa um 8,9% verbessern, auch MTU Aero Engines ging mit einem Plus von 4,0% aus dem regulären Handel. Die Deutsche Börse profitierte von einer Kaufempfehlung durch JPMorgan und konnte sich um 2,0% verbessern. Beiersdorf konnte nach den Zahlen, die im Rahmen der Erwartungen lagen, 1,0% befestigt schliessen, Bei den deutschen Nebenwerten war Shop Apotheke nach wie vor stark gefragt und erzielte ein weiteres Plus von 6,4%. Der Versender von Kochboxen, HelloFresh , konnte mit seinen Wachstumszielen die Analysten begeistern und ein Plus von 3,9% erzielen.

In Wien konnte der ATX seine Verlustserie beenden und ein Kursplus von 1,1% erzielen. In den Fokus der Aufmerksamkeit rückte Zumtobel nach der Ergebnispräsentation, der Gewinn war deutlich besser als im Vorjahr und die mittelfristigen Ziele wurden trotz der Krise bestätigt, das liess die Investoren zugreifen und der Leuchtenhersteller erzielte ein Plus von 8,2%. Noch besser verlief es für den Luftfahrtzulieferer FACC , der von der deutlichen europaweiten Erholung in dem Sektor profitierte und ein stolzes Plus von 8,5% erringen konnte. Auch Frequentis fanden sich weit oben auf den Einkaufslisten der Anleger, die Aktien des Weltmarktführers bei Sprachkommunikationssystemen für Flugsicherung kletterten um 7,7% nach oben, und der Flughafen Wien profitierte ebenfalls von der wiedergefundenen Gunst des Sektors und stieg um 6,8%. Andritz konnte sich vor der heutigen Zahlenvorlage teilweise von den Rückgängen des Vortages erholen, zusätzlich bestätigte die Deutsche Bank die Kaufempfehlung und das Kursziel für den Titel, das brachte in Summe einen Anstieg von 1,5%. Die Banken konnten sich der europaweiten Schwäche teilweise deutlich entziehen, die Bawag erzielte eine Verbesserung von 0,7%, die Raiffeisen konnte um 0,6% steigen, lediglich die Erste Group wurde klar in Mitleidenschaft gezogen und schloss mit einem Minus von 3,1%. Weiter im Aufwind befindet sich AMAG , auch gestern erzielte der Aluminiumkonzern ein Plus von 5,7%. Schwächster Wert des gestrigen Handels war Marinomed, für das Biotechnologieunternehmen ging es 3,7% nach unten, auch Warimpex wurde verkauft und schloss mit einem Abschlag von 2,6%. Die halbjährliche Überprüfung des österreichischen Leitindex ATX hat eine Änderung in der Zusammensetzung des ATX ergeben: Die Mayr-Melnhof Karton AG ersetzt künftig den oberösterreichischen Flugzeugzulieferer FACC im ATX. Im ATX five, der die fünf größten börsennotierten Unternehmen zusammenfasst, ersetzt die BAWAG die voestalpine . Das teilte die Wiener Börse am Dienstagabend mit. Der Kartonerzeuger Mayr-Melnhof überholte die FACC bei der Höhe der Streubesitz-Kapitalisierung - der Streubesitzfaktor beeinflusst, wie stark eine Aktie im Index gewichtet ist.

Die überraschende Zinssenkung traf die Investoren in den USA ziemlich unvorbereitet, die Märkte brauchten lange um dieses Ereignis richtig einzuschätzen und dementsprechend ging es mit den Kursen auf und ab, ehe die Indices dann doch in den negativen Bereich abrutschten. Vielen erschien das Vorgehen der Fed als zu aggressiv und zu sehr von den Marktbewegungen getrieben. Der Dow Jones schloss mit einem Minus von 2,9%, der S&P 500 rutschte um 2,8% ab und der Nasdaq 100 beendete den Handel mit einem Abschlag von 3,2%. Jedenfalls war es der Fed nicht gelungen, durch diesen Schritt die Sorgen am Markt zu lindern, im Gegenteil, sichere Häfen wurden erneut gesucht und die Rendite der zehnjährigen US-Staatsanleihen rutschte während des Handelsverlaufes erstmals unter die Marke von unter 1,0%. Unter den Dow Werten waren die Kreditkartenfirmen die schwächsten, Visa hatte am Vorabend vor einem niedrigeren Umsatzwachstum gewarnt und musste 3,4% nachgeben, noch stärker erwischte es den Konkurrenten American Express mit einem Minus von 5,2%. Die Banken wurden auf Grund der erwarteten Gewinnrückgänge durch niedrigere Zinsen ebenfalls verkauft, JPMorgan beispielsweise erlitt einen Rückgang von 3,8%. Einziger Dow-Wert im Plus war Coca-Cola mit einem Zuwachs von 0,3%. Thermo Fisher Scientific konnte 1,8% Zugewinn erzielen, nachdem Quiagen seinen Aktionären geraten hatte, das Angebot zur Übernahme anzunehmen, die jetzige Offerte liegt fast 23 Prozent über dem Schlusskurs vom Montag, Qiagen konnte einen Kurssprung von 14,8% verzeichnen.

Vorbörslich sind die Märkte in Europa heute Mittwoch zur Eröffnung wenig verändert indiziert. Die Börsen in Asien präsentierten sich uneinheitlich. Unternehmensseitig veröffentlichte Andritz Geschäftszahlen (siehe unten). Makroseitig in Europa heute PMI Dienste, BIP Q4/2019 (ITA) sowie Einzelhandelsumsatz (EUR), in den USA ADP Beschäftigung, ebenso PMI Dienste, ISM Index sowie das Fed Beige Book.
 

UNTERNEHMENSNACHRICHTEN

Andritz
 
Der heimische Maschinenproduzent Andritz veröffentlichte heute seine Ergebnisse zum Geschäftsjahr 2019, die Ergebnisseitig unter den Erwartungen blieben. Der Umsatz betrug €6.67 Mrd. (+10,7% YoY) und erreichte ebenso wie der Auftragseingang einen neuen Rekordwert (+9,6% auf €7,28 Mrd.). Dieser Anstieg ist im Wesentlichen auf den Geschäftsbereich Pulp & Paper zurückzuführen, dessen Umsatz sich im Jahresvergleich deutlich (+28,5%) erhöhte. Während der Umsatz im Segment Metals stagnierte (+0,1% YoY) musste man im Segment Hydro einen Rückgang verzeichnen (-3,1% YoY). Der Auftragsstand lag per 31.12.2019 bei €7,78 Mrd. Die Ergebnisentwicklung der Gruppe war 2019 vor allem durch Maßnahmen für kapazitive Anpassungen von insgesamt €113 Mio. (davon €82 Mio. für den Geschäftsbereich Metals) und die Abarbeitung von margenschwächeren Aufträgen (insbesondere im Geschäftsbereich Metals) negativ beeinflusst. Während das EBITDA mit €537,6 Mio. um 8,0% über dem Vorjahresvergleichswert, lag gingen das EBITA und das EBIT um 13% respektive 26% zurück. Die Rentabilität (EBITA-Marge) verringerte sich damit ebenso deutlich auf 5,1% (2018: 6,5%). Das Konzernergebnis ging deutlich um 42,4% auf €127,8 Mio. zurück. Für das Gesamtjahr 2020 erwartet Andritz aus heutiger Sicht einen Anstieg des Umsatzes gegenüber dem Vorjahr. Hauptgründe dafür sind der – als Folge der guten Auftragsentwicklung im Berichtsjahr – sehr hohe Auftragsstand per Ultimo 2019. Vor allem im Geschäftsbereich Pulp & Paper wird durch die Abarbeitung einiger Großaufträge mit einem deutlichen Umsatzanstieg gerechnet. Beim operativen Ergebnis vor außerordentlichen Effekten (EBITA) wird trotz des steigenden Umsatzes nur ein Betrag in ähnlicher Größenordnung wie 2019 (vor außerordentlichen Effekten) erwartet. Die wesentlichen Einflussfaktoren für die Ergebnisprognose sind ein gegenüber 2019 erhöhter Umsatzanteil von margenschwächeren Großprojekten im Geschäftsbereich Pulp & Paper sowie die durch die unverändert schwierige Situation der Automobilindustrie bedingte schwache Ergebnisentwicklung im Geschäftsbereich Metals. Sollte sich im Jahr 2020 die globale Weltwirtschaft jedoch unerwartet stark eintrüben, ist laut Management auch mit negativen Auswirkungen auf die Geschäftsentwicklung von Andritz zu rechnen. So sind die Auswirkungen des Virus Covid-19 auf die Wirtschaft in China bzw. die Weltwirtschaft zum heutigen Zeitpunkt nicht einschätzbar und in der o.a. Markterwartung zu den Geschäftsbereichen sowie der Umsatz- und Ergebnisprognose der Andritz-Gruppe nicht berücksichtigt. 
 
GJ 2019: Umsatz €6.674 Mio. (6.662e), EBITDA: €537,6 Mio. (546,6e), EBIT: €237,9 Mio. (441,9e), Konzernergebnis: €127,8 Mio. (146e)



(04.03.2020)



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Mario Tunkowitsch

Research Wiener Privatbank

>> https://www.wienerprivatbank.com


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