ATX-Trends: Addiko, AT&S, SBO, voestalpine ...

Die Erholungsbewegung an den europäischen Aktienmärkten hat am Dienstag weiter an Dynamik gewonnen. Der DAX stieg um 1,8 Prozent auf 13.282 Punkte, und der Euro-Stoxx-50 verbesserte sich um 1,9 Prozent auf 3.732 Punkte. Der Markt geht derzeit nicht davon aus, dass das Virus die weltweite Konjunktur zum Entgleisen bringt. Gefragt waren dann auch die Verlierer der vergangenen Wochen, die konjunkturabhängigen Rohstoff-Aktien und die Ölwerte, die auch von guten Zahlen des BP-Konzerns angefeuert wurden.

Der Index der Banken legte mit einem Plus von 1,9 Prozent ebenfalls überdurchschnittlich zu. Intesa Sanpaolo hat sowohl bei den Umsätzen als auch beim Gewinn die Erwartungen deutlich geschlagen. Der Kurs stieg um 2,9 Prozent und stützte auch die Kurse der anderen italienischen Banken. Monte dei Paschi di Siena gewannen 5,5 Prozent, Ubi Banca 3,9 Prozent und Unicredit 3,1 Prozent. Der FTSE-MIB stieg um 1,7 Prozent. Er steht nur noch gut 1 Prozent unter seinem Jahreshoch. Gestützt wurden die Märkte auch von der Geldpolitik in China. Nachdem die chinesische Zentralbank bereits am Vortag rund 156 Milliarden Euro in den dortigen Geldmarkt gepumpt hatte, folgten nun weitere 65 Milliarden Euro über Reverse-Repo-Geschäfte. Teilnehmer gehen von weiteren Maßnahmen in den kommenden Tagen aus. Der Index der europäischen Rohstoff-Aktien erholte sich um 3,5 Prozent, der Index der Öl-Aktien um 2,5 Prozent. BP gewannen 4,2 Prozent. Schwächster Branchenindex war der Index der Versorger, der 0,1 Prozent zulegte. Allerdings hatte er sich in den vergangenen Tagen auch gegen die allgemeine Schwäche stark gezeigt. Im DAX gaben RWE 0,1 Prozent ab. Auf der anderen Seite erholten sich Lufthansa und Linde um 3,3 bzw. 3,5 Prozent, Infineon und Adidas um 3,2 bzw. 2,2 Prozent. Bayer zogen um 2,8 Prozent an und VW um 2,6 Prozent.

Die Wiener Börse hat am Dienstag fester geschlossen. Der ATX stieg um 27,04 Punkte oder 0,88 Prozent auf 3.083,67 Einheiten. Nach der sehr schwachen Vorwoche ging es europaweit an den Aktienmärkten wieder nach oben. Der ATX blieb dabei etwas hinter den Leitbörsen zurück. Das Coronavirus greift zwar weiter um sich. Bei den Investoren überwiege derzeit die Hoffnung, dass die Maßnahmen der chinesischen Regierung gegen die Epidemie wirksam sein werden und dass Peking die Wirtschaft verstärkt stützt.
In Wien rückten die AT&S-Aktien mit einem Kursrutsch von zwischenzeitlich knapp 14 Prozent in den Mittelpunkt. Der in China stark engagierte steirische Leiterplattenhersteller hatte am Vorabend eine Gewinnwarnung für das Geschäftsjahr 2019/20 veröffentlicht und dazu ebenfalls auf das Coronavirus verwiesen. Für die ersten drei Quartale meldete AT&S am Dienstag in der Früh einen operativen Gewinnrückgang von über 60 Prozent auf 47,7 Mio. Euro. Im Tagesverlauf reduzierten die Aktien ihre Abschläge und gingen schließlich um 6,48 Prozent tiefer bei 18,32 Euro aus dem Handel. An die ATX-Spitze setzten sich dagegen die in den vergangenen Wochen schwachen Schoeller-Bleckmann-Aktien mit einem Plus von 3,60 Prozent auf 41,75 Euro. Unter den Index-Schwergewichten wurden voestalpine (plus 2,69 Prozent auf 22,51 Euro) am stärksten nachgefragt. Der Linzer Stahl- und Technologiekonzern wird diesen Donnerstag Drittquartalszahlen vorlegen. Analysten erwarten einen Umsatzrückgang sowie teils massive Rückgänge bei den Ergebniskennzahlen. Im gesamten prime-market-Segment wiederum stachen Rosenbauer mit einem satten Kurszuwachs von 3,60 Prozent auf 41,75 Euro hervor. Auch Zumtobel (plus 2,58 Prozent auf 9,13 Euro) und Kapsch TrafficCom (plus 2,28 Prozent auf 26,90 Euro) waren gut gesucht.

Die Stimmung an den US-Börsen hat sich am Dienstag trotz der Verbreitung des Coronavirus weiter aufgehellt. Der Dow Jones Industrial setzte die Erholung vom Vortag fort und stieg um 1,44 Prozent auf 28 807,63 Punkte. Damit ist die schwere Kursscharte vom Freitag fast wieder ausgewetzt, als der Dow wegen der rasanten Ausbreitung des Virus auf den niedrigsten Stand seit Mitte Dezember gerutscht war. Der marktbreite S&P 500 rückte um 1,5 Prozent auf 3297,59 Zähler vor. Für den technologielastigen Nasdaq 100 ging es sogar um 2,28 Prozent auf 9334,06 Punkte nach oben. Damit markierte der Index trotz der epidemischen Lungenkrankheit ein Rekordhoch. Das galt auch für die Papiere des Schwergewichts Microsoft , die um 3,3 Prozent zulegten. In schwindelerregende Höhen schwangen sich erneut die Aktien von Tesla auf. Waren die Papiere des Herstellers von Elektrofahrzeugen am Vortag bereits um 20 Prozent nach oben geschnellt, so schossen sie nochmals um 13,7 Prozent auf gut 887 US-Dollar aufwärts. Auf dem Rekordhoch von fast 970 Dollar hatte den Papieren nur etwas mehr als drei Prozent bis zur magischen Marke von 1000 Dollar gefehlt. Händler begründeten die Kurs-Bonanza wie schon am Vortag mit einem sogenannten Short-Squeeze: Anleger, die mit leer verkauften Aktien auf einen fallenden Kurs gesetzt haben, müssen angesichts eines steigenden Kurses diese Aktien am Markt zurückkaufen. Andernfalls drohen ihnen Verluste. Einem auf solche Geschäfte spezialisierten Analysten zufolge ist gegenwärtig fast jede fünfte Tesla-Aktie an der Börse leer verkauft. Unterdessen wurde bekannt, dass ein saudi-arabischer Fonds seinen Tesla-Anteil im vierten Quartal 2019 komplett abgestoßen haben soll. Aktien des Google -Konzerns Alphabet verloren 2,5 Prozent und waren das Schlusslicht im Nasdaq 100. Analysten bemängelten mit Blick auf den Quartalsbericht vom Vorabend, dass der Umsatz die Erwartungen verfehlt habe. Die Erlöse legten zwar im Jahresvergleich kräftig zu. Es handelte sich jedoch um das schwächste Wachstum seit fünf Jahren. Zweitgrößter Kursgewinner im Nasdaq 100 hinter Tesla waren Ebay mit plus 8,8 Prozent. Das Wall Street Journal berichtete, der US-Börsenbetreiber Intercontinental Exchange (ICE) wolle den Online-Marktplatz übernehmen und könne ihn mit 30 Milliarden Dollar bewerten. Die ICE-Aktien hatten unmittelbar vor dieser Meldung ein Rekordhoch erreicht - und rutschten dann um 7,5 Prozent ab. Aktien des Chip-Hersteller NXP Semiconductor verteuerten sich um fast vier Prozent. Das Umsatzziel sei höher als erwartet gewesen. Auch hatten Analysten im vierten Quartal mit einem deutlicheren Erlösrückgang gerechnet, als am Ende zu Buche stand. Mit den Aktien von Applied Materials , Lam Research und KLA waren weitere Titel aus der Chip-Branche gesucht. Der Modekonzern Polo Ralph Lauren hat im dritten Geschäftsquartal beim Gewinn besser abgeschnitten als erwartet. Der Aktienkurs schnellte daraufhin um gut neun Prozent nach oben auf den höchsten Stand seit Mai vergangenen Jahres. Aktien des Ölkonzerns ConocoPhillips verloren dagegen 4,6 Prozent. Das Unternehmen mit Sitz im texanischen Houston stellte für das laufende Jahr eine geringere Produktion in Aussicht als 2019.

Der Eurokurs notierte zuletzt wenig bewegt mit 1,1046 US-Dollar. Die Europäische Zentralbank hatte den Referenzkurs zuvor auf 1,1048 (Montag: 1,1066) US-Dollar festgesetzt. Der Dollar hatte damit 0,9051 (0,9037) Euro gekostet. Richtungweisende zehnjährige US-Staatsanleihen gaben um 20/32 Punkte auf 101 12/32 Punkte nach. Sie rentierten mit 1,60 Prozent.

Vorbörslich sind die Märkte in Europa heute Mittwoch nahezu unverändert bis leicht schwächer indiziert. Die Börsen in Asien verzeichneten größtenteils nochmals Kursgewinne. Auf Unternehmensseite präsentiert Addiko Bank Geschäftszahlen (siehe unten). Auf Makroseite erwarten wir heute in Europa Daten zu PMI Dienste (EUR & GBR) sowie Zahlen zum Einzelhandelsumsatz (EUR), in den USA ADP-Beschäftigung, Handelsbilanz, ebenso PMI Dienste, ISM-Index Dienste sowie den wöchentlichen Ölbericht des Energieministeriums.

UNTERNEHMENSNACHRICHTEN

Addiko Bank
 
Die Addiko Bank präsentierte heute ihre vorläufigen Geschäftsergebnisse für das abgelaufene Geschäftsjahr. Das Nettozinsergebnis stieg um 5,7% auf €183,0 Mio., die entsprechende NIM (Nettozinsergebnis / Ø Aktiva) betrug 2,99% (+0.2% gegenüber 2018). Das Provisionsergebnis erhöhte sich um 7,7% auf €67,2 Mio., die betrieblichen Aufwendungen blieben auf Vorjahresniveau und beliefen sich auf €-189,2 Mio. (2018: €-188,1 Mio.). Die im Halbjahresabschluss angekündigte Kostenoptimierung im Zusammenhang mit dem Abbau von 180 FTE und 8 Filialen führte zu einer Reduktion von 229 FTE und der Schließung von 17 Filialen zwischen dem 30. Juni und dem 31. Dezember 2019. Die bereinigte Cost-Income-Ratio verbesserte sich auf 74,8% (2018: 78,1%). Die Bank erzielte ein Ergebnis nach Steuern von €35,1 Mio. einschließlich Einmaleffekten (2018: €104,2 Mio.), wobei das Ergebnis nach Steuern für das vierte Quartal €11,7 Mio. ausmachte (4Q/18: €7,8 Mio.). Die CET1 Ratio ohne Berücksichtigung von Gewinnen oder Dividenden für 2019 betrug 17,7% (17,1% IFRS 9 Fully-Loaded). Das Unternehmen gab bekannt, dass die Dividendenausschüttung, Ziele und der Ausblick zusammen mit dem geprüften Jahresabschluss am 5. März 2020 veröffentlicht.
 
Prelim FY 19: Nettobankergebnis: €250,2 Mio. (249,5e), Operatives Ergebnis: €35.2 Mio. (50,8e), Ergebnis nach Steuern: €35,1 Mio. (44,7e)
 



(05.02.2020)



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Mario Tunkowitsch

Research Wiener Privatbank

>> https://www.wienerprivatbank.com


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