Der heimliche Hauptpreis für den Börsenotiz-Developer. Im bereits 145. Jahr ihrer Börsenotiz hat sich die Porr börslich vollkommen neu erfunden und war mit einem Kursplus von 110,66 Prozent und einem Anstieg beim Handelsvolumen im Ausmass von satten 2075 Prozent der Aufsteiger des Jahres. Porr selbst ist nach dem Dezember-Verfall in den ATX-Prime aufgestiegen und wird künftig um ATX-Ränge mitrittern.
Doch damit nicht genug: Konzern-Lenker und –Denker Karl-Heinz Strauss bastelte 2014 neben seinem Baukonzern auch einen neuen Real Estate Developer für die Börse. Die Chance dazu gab es durch die Übernahme der Mehrheit an der UBM (mit +54 Prozent ebenfalls unter den Topperformern in der Kursentwicklung bzw. mit 2100 Prozent Zuwachs die Nr. 1 in der Handelsvolumens-Entwicklung 2014) und im zweiten Schritt den Erwerb von mehr als 75 Prozent. Porr konnte damit um die nicht betriebsnotwendigen Immobilien und die dazugehörigen Verbindlichkeiten ohne Abverkauf leichter gemacht werden.
Der Weg zum börsenotierten Real Estate Developer mit Arbeitstitel „UBM Neu“ läuft dieser Tage über die Auf-Zeit-Gesellschaft PIAG, die seit 10. Dezember 2014 an der Wiener Börse notiert. Bereits für Mitte Jänner 2015 sind a.o. Hauptversammlungen bei PIAG und UBM anberaumt. Dort soll der Downstream-Merger der PIAG in die UBM beschlossen werden.
Für die Art und Weise, wie Porr zunächst im Jahr 2013 Vorzugsaktien in Stämme umwandelte, dann ein öffentliches Rückkaufangebot für die Kapitalanteilscheine legte, um schliesslich die nötige Basisliquidität für die o.a. jüngsten Schritte in einer Stammaktie zu bündeln, klatschten Analysten und Fondsmanager Beifall. Vor allem die Präzision, mit der Strauss den Kapitalmarkt über die einzelnen, teilweise hochkomplexen Schritte informierte und gleichzeitig das Berichtswesen auf internationale Kapitalmarktstandards (Stichwort IFRS-konformer Quartalsbericht), nachzog, war ein Lichtblick im schwierigen Börseumfeld der vergangenen Monate.
Die Timeline hat bisher exakt gehalten und das Geschaffene zeigt von tiefem Verständnis für die Instrumente des Kapitalmarkts. Die Entwicklung von Playern internationalen Formats erinnert an österreichische Unternehmer-Legenden wie Kahane oder Turnauer, die sich ebenfalls sehr geschickt am Kapitalmarkt bewegten, diesen als Chance sahen. Wie es halt international üblich ist. In Österreich halt eher unüblich. Freilich muss die Unternehmensentwicklung passen und die passte bei Porr.
Man darf gespannt sein, wie die Stories der Porr und der “UBM neu” weitergeschrieben werden.
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