Neues vom Praktikantenaspiranten.
"Liebes Tagebuch!
Das letzte Mal habe ich Dir von einem Erlebnis erzählt, das mein Chef als „Do&Co-Schock“ bezeichnet hat. Davon habe ich mich mittlerweile erholt. Von den Strapazen der Fußballweltmeisterschaft noch nicht. Mit Strapazen meine ich allerdings nicht den exorbitanten Alkoholkonsum, zu dem man im Rahmen eines derartigen „events“ quasi genötigt wird und den ich als figur- und gesundheitsbewusster Mensch ansonsten genauso meide wie der Teufel das Weihwasser (oder ich ein ehrliches Urteil zu meinem Alkoholgenuss…). Nein, geschätztes Tagebuch, Strapazen haben mir vor allem Telefonanrufe wie jener bereitet, der mich am Tag nach dem Halbfinale Deutschland gegen Brasilien ereilte, und im Zuge dessen mich ein guter Freund und Mitbörsianer darüber in Kenntnis setzte, dass er beim Stand von 0:0 ein paar Euro online auf fünf Tore oder mehr Unterschied für Deutschland gewettet hat. Wenigstens hat er mich auf einen Kaffee eingeladen…
Was mein Hobby, das Value Investing betrifft, so ist diesmal der zweite von fünf möglichen Wettbewerbsvorteilen an der Reihe, nämlich die sogenannten Skaleneffekte. Manche besonders schlauen Kerle und Kerlinnen, um nicht die Missgunst der offenbar besonders genderaffinen online-community auf mich zu ziehen, nennen das „economies of scale“. Vor allem dort, wo der eine oder andere overhead (d.h. Fixkosten in einem bestimmten Umfang) für ein gutes Produkt oder eine Dienstleistung erforderlich ist, spielt der Umfang des Produktabsatzes eine gewaltige Rolle. Man nehme die Computerprozessorherstellung als Beispiel. Die Entwicklung einer neuen Generation derartiger Komponenten kostet Milliarden und ist regelmäßig erforderlich. Je mehr Stück ich davon absetze, desto günstiger kann ich das Produkt je Stück herstellen und anbieten, weil ich den Forschungsaufwand auf umso mehr Einheiten aufteilen kann. Oder ich betreibe noch mehr Forschung. Oder beides. Jedenfalls hat der größere Hersteller im Verhältnis zum kleineren (und jenen die sich überlegen, in das Geschäft einzusteigen) einen enormen Wettbewerbsvorteil. Ich denke, Intel und AMD können hiervon ein Liedlein singen."
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