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Mit vier Privatanlegerm an der Wiener Börse im Roundtable-Talk - 2011 und jetzt hoffentlich wieder .... (Christian Drastil)


Ein Talk, der 6 Jahre alt ist. Es war damals nicht leicht, Privatanleger für ein Roundtable-Gespräch zu finden. Der Anti-Börse-Populismus der Politiker machte Angst. Vier Mutige hatten sich trotzdem am 7.4. 2011 im Cafe BE zum Gespräch mit mir eingefunden: Wolfgang Beigl, Günter Luntsch, Erhard Salchenegger und Jürgen Stowasser. Für die nächste Ausgabe von http://www.boerse-social.com/magazine möchte ich so etwas wieder einberufen. Wer hat Lust? christian@boerse-social.com .


Drastil : Im Vorgespräch ist die Gegenfrage an mich gefallen, warum ich mich für die Börse interessiere - nun, die Börsen spiegeln einfach wie eine ewige „Education Soap Opera“ das Weltgeschehen wider. Beispiel: Die dramatischen Ereignisse wie in Japan und die erwarteten Auswirkungen auf die Energiepolitik. Oder Zukunftsthemen, sei es Photovoltaik, die Wasser-Frage, oder Dinge rund um die Emerging Markets; Zusämmenhänge zwischen Zinsniveau, Verschuldung und Arbeitslosigkeit. Man lernt unglaublich viel on the job. Und natürlich sind Börsen auch ein Spiegelbild von guten bzw. weniger guten politischen Administrationen. Und: Wie beantwortet die Runde die Frage? Warum interessieren Sie sich für die Börse? Wie lange sind Sie dabei? 

Wolfgang Beigl: Seit der Schulzeit, 7. Klasse Gymnasium, damals gab es Wirtschaftsgeografie als Wahlfach. Da bin ich auf den Geschmack gekommen, die erste Aktie war dann – mit dem Geld aus einem Ferialjob bei der Post - VA Tech. Mich fasziniert, dass man am Unternehmen beteiligt ist. Einen Zockergedanken habe ich nicht. 

Günter Luntsch: Ich habe auch immer geglaubt, dass Investments in die richtigen Branchen für eine bessere Welt sorgen können. Ich schaue mir auch immer die Hauptversammlungen an, ich will wissen, was hinter den Kulissen läuft; dort hört man Dinge, die nie in die Medien dringen. Dabei bin ich schon seit 20 Jahren. In homöopathischen Dosen. 

Jürgen Stowasser: Ich bin viel kürzer dabei, ca. fünf Jahre. Was mich reizt, ist die Komplexität der Kapitalmärkte, das ist durchaus eine intellektuelle Herausforderung. Bei der Unternehmensbeteiligung spielen für mich ethische Komponenten eine wichtige Rolle. 

Erhard Salchenegger: Die Aktie ist einfach das langfristig beste Investment. Gerade in Zeiten, in denen die Inflation wieder anzieht, sollte man etwa in Sachwerte investieren. Beim Sparbuch hat man real eine negative Verzinsung. Ich bin jetzt seit 21 Jahren an der Börse aktiv. Angefangen hat es bei mir übrigens damit, dass mein Bruder bei einem Raiffeisen-Börsespiel die zur Verfügung gestellten 20.000 Schilling verdoppeln konnte. Da ist es losgegangen mit dem Interesse. Veitscher, Radex – das waren die ersten Investments. Anfang 1990 – eine schwierige Zeit, aber ich konnte viel lernen. 

Drastil: Ist der Wiener Aktienmarkt für Euch als Österreicher ein Schwerpunkt? 

Salchenegger: Ja, obwohl ich schon international denke. Es wäre natürlich hochinteressant, mal mit Warren Buffett zu reden, ich habe ja in den Staaten mal ein Interview mit Jim Rogers machen dürfen. Es ist hochinteressant, aber alles sehr aufwändig. 

Stowasser: Bei mir nur sehr eingeschränkt Wien, ich interesse mich eher für bestimmte Branchen und möchte mich dabei nicht auf einen Börsenplatz fixieren; Nachhaltigkeit ist mir wichtig. In Österreich ist aus dieser Perspektive heraus nicht viel zu finden – eventuell Andritz, aber auch die ist ja immer wieder heftiger Kritik ausgesetzt. Die Branche, in der BWT tätig ist, finde ich sehr interessant, die BWT selbst zählt aber nicht zu meinen Favoriten. 

Luntsch: Ich sehe mir fast ausschliesslich den Wiener Markt an. Hier kommt man wegen der Nähe leichter an Informationen. Man sieht, was die Firmen tun, kann sie auch besuchen. 

Beigl: Ich schliesse mich an, der Fokus ist auf Wien gerichtet. Werksbesuche oder Unternehmenstage gibt es leider nicht mehr so häufig, dort hat man viel erfahren. 

Drastil: Und gibt es auch ausserhalb der o.a. Events Kontakt mit IR-Vertretern? 

Beigl: Das tue ich oft. Die Qualität der Antworten ist vollkommen unterschiedlich. 

Luntsch: Ich nehme nie Kontakt mit der IR auf, die dürfen nicht alles sagen. Es ist besser, man sucht sich andere Kontakte im Unternehmen. 

Drastil: Wieviele Stunden pro Woche widmen Sie dem Kapitalmarkt? 

Salchenegger (lacht): Nebenbei bin ich Croupier im Card Casino Eggenberg in Graz, aber sonst kann man schon sagen, dass ich mein Hobby zu meinem Beruf gemacht habe und die Zeit jetzt nicht mehr einschätzen kann. Ich schaue eigentlich den ganzen Tag n-tv, DAF, oder CNBC. 

Luntsch: Sehr unregelmässig, aber wenn man die Hauptversammlungsbesuche aufs ganze Jahr aufteilt, komm ich hier durchschnittlich auf 5 Stunden pro Woche, plus die regelmässigen 5 Stunden Zeitunglesen pro Woche, also insgesamt etwa 10 Stunden pro Woche. 

Stowasser: 10 bis 15 Stunden pro Woche. Da geht’s aber nicht nur um Anlageentscheidungen, sondern auch um ein grundsätzlicheres Interesse an den Märkten, ihrer Funktionsweise und den Zusammenhängen mit Politik, Wirtschaft etc.. 

Beigl: Eine halbe Stunde pro Tag, dazu die Besuche bei den HVs. 

Drastil: Wir haben nun die Wertpapier-KESt. Hatte diese Auswirkungen auf Ihr Anlegerverhalten? 

Beigl: Eine Katastrophe für den Markt. Genau das Gegenteil, was die Regierung tun hätte sollen. Es wird aber mein Anlegerverhalten nicht ändern. Die Katastrophe ist, dass diese Geschichte für das Budget nichts bringt. Ein Flop. 

Luntsch: Unverständlich für mich, dass Regierungspolitiker meinen und viele Revolverblattln das wiederholen, dass die Reichen zahlen sollen, die die Krise verursacht hätten, das seien die Aktionäre, so ein Schmarrn, kein österreichischer Aktionär hat eine Weltwirtschaftskrise verursacht. Ganz im Gegenteil, die österreichischen Kleinstaktionäre sind auch in schwierigen Zeiten voll hinter ihrem Unternehmen gestanden und haben teils 80% und mehr verloren, aber ist halt besonders leicht, hier die Schuldigen zu suchen, wenn Politiker dem Volk das vermitteln wollen, was es hören will, und was für Menschen Aktionäre wirklich sind, das weiss der Österreicher nicht, der sein Aktionärsbild oft von Medien vermittelt bekommt, die genauso keinen Schimmer von der Realität haben wie er. Ich mache jetzt nichts mehr in Aktien, habe nur mehr an Wohnbauanleihen Interesse, die sind bis vier Prozent steuerfrei. Alles andere interessiert mich nicht mehr. Warum soll ich Arbeitsplätze sichern, das volle Risiko übernehmen, wenn der Staat bei den Gewinnen mitkassiert und mich bei den Verlusten alleine lässt? Das Verlustrisiko ist gross, es gehen auch Blue Chips pleite, ich nenne nur mal Maculan und Ankerbrot, wo keiner damit rechnen hat können. Ich kenne viele Anleger, die Hälfte davon möchte ganz aufhören mit Aktien. Der Ärger auf die Politik ist gross, es werden Langfristanleger bestraft, gleichzeitig wird behauptet, die Spekulanten würden bestraft. Wir waren Kernaktionäre, viel treuer als internationale Anleger, haben auch in schlechteren Zeiten die Aktien nicht gleich auf den Markt geschmissen, sondern sind zu den Unternehmen gestanden. Man braucht ja nur auf den Auktionsmarkt schauen, da sind kaum internationale Anleger drin. Dieser Markt hat sich auch in der Krise viel besser gehalten. Die Österreicher waren die treueren Anleger. 

Beigl: Genau. Man hat das Gegenteil erreicht, von dem was man wollte und von dem, was Sinn macht. Die Aktionärsquote wird immer kleiner. Es geht vor allem um diejenigen, die überlegt haben, vielleicht einzusteigen. Die haben wieder abgewunken. Warum soll ich mich als Feindbild hinstellen? 

Luntsch: Dazu kommt die Abwicklung mit dem Finanzamt. Die Leute würden eine automatische Gegenrechnung von Gewinnen und Verlusten akzeptieren, aber Verluste über das Finanzamt zurückholen, das wollen die Leute nicht und das ist offenbar das Kalkül der Politik, dass die Leute auf die Rückerstattung ihrer zuviel bezahlten Steuer verzichten. Ein paar Geheimnisse will der Österreicher haben, wie beim Sparbuch. Auch dass es weder Verlustvortrag noch Verlustausgleich gibt, stört die Leute. Wenn Kursgewinne schon als Einkommen gesehen werden: Der Staat will nur in guten Jahren besteuern, in schlechten Jahren die Menschen um Verlustvortrag und Verlustausgleich bringen. Selbstverständlich ja zu einer fairen Besteuerung! Selbstverständlich aber ein klares Nein zu dem Gesetz, das man noch zwischen Weihnachten und Neujahr durchgeboxt hat, ohne auf ein Mindestmass an Fairness zu achten. 

Stowasser: Die Argumentation, dass man die Spekulanten treffen kann, ist schierer Populismus. Internationale Player haben es nicht notwendig, an der Wiener Börseabzuwickeln, da gibt es andere Möglichkeiten. Statt dessen trifft es die langfristig orientierten Anleger. 

Luntsch: Meine Bekannten behalten jetzt einfach noch ihre Aktien, aber dazugekauft wird nichts mehr. 

Salchenegger: Es laufen ja noch die Klagen der Grossbanken. Ich analysiere fundamental und charttechnisch, wenn der Chart nicht gut aussieht, verkaufe ich, unabhängig von steuerlichen Fristen. Ich habe schon viel Steuer gezahlt, vor allem in der Phase, als ich in Deutschland tätig war. 

Stowasser: Persönlich hat es für mich die Auswirkung gehabt, dass ich im Dezember noch eingekauft habe, obwohl ich vom Zeitpunkt her überhaupt nicht überzeugt war. 

Beigl: Der österreichische Trend ist, dass man Langfristanleger nicht mehr will. Buy and Hold ist nicht mehr gewünscht, auch bei Banken und Analysten wird eher in Richtung kurzfristiger Spekulation informiert. Mit dem Buy/Hold-Anleger wird die Bank auch nicht reich. 

Drastil: Welchen österreichischen Unternehmen würden Sie eine gute IR- und Öffentlichkeitsarbeit unterstellen? 

Salchenegger: Andritz möchte ich zuvorderst nennen, dann AT&S, bet-at-home und auch bwin hat auch immer eine gute Arbeit gemacht.. 

Beigl: Rosenbauervoestalpine fallen mir spontan ein. 

Luntsch: Palfinger, die sind immer sehr freundlich, auf der Gewinn-Messe laden sie mich auf einen Kaffee ein, sowas finde ich sehr nett. Früher waren mehrere Firmen auf Messen sehr freundlich – etwa Jenbacher – das hat sich aber aufgehört, die Gewinn-Messe ist ja heute schon ziemlich klein, und manche Aussteller haben nur proforma einen Stand, und er wird von niemandem betreut. 

Beigl: Mir würde auf einer Messe zum Beispiel ein ATX-Dörfchen gefallen, dort wären dann wirklich alle dort und man kann Themen besprechen. Aber die Gewinn-Messe wird ja immer kleiner. 

Drastil: Ich ziehe den Hut vor Georg Wailand und seinen Messeaktivitäten, weil ja auch wir die Roadshow-Reihe haben, und ich weiss, wie schwer es in einem kleiner werdenden Markt oft ist. Da wie dort werden von den Unternehmen Unkostenbeiträge verlangt und daher kann man – gerade als Medium – nicht verlangen, dass da jeder mitmacht. Man will ja Geld dafür. Es bräuchte einen Overall-Sponsor, der sowas gut findet und als Hauptsponsor auftritt, dann könnte man die Preise für die Unternehmen auf echte Regiegebühren reduzieren. Solche generellen Unterstützer wird es aber im aktuellen politischen Umfeld einfach nicht spielen. Exkurs Ende. 

Luntsch: Ausser Palfinger fallen mir aktuell kaum Unternehmen ein, Werksbesuche gibt es ja wie erwähnt nicht mehr. 

Drastil: Da muss ich nochmal kurz einhaken, am 24.5. sind wir mit einer Aktienforum Börse Express Roadshow in Oberösterreich und zwar direkt bei Polytec. Ausser Polytec werden auch eben Palfinger, HTI, THI und AT&S präsentieren. Die Idee dazu kam von Polytec und ich denke, es wird auch die Möglichkeit geben, ein bisschen was vom Werk zu sehen ... 

Luntsch: Bei den Messen stehen viele Unternehmen halt leider auch mit Statisten dort, hübsche Promotiongirls, aber niemand, der Fragen beantworten kann. 

Salchenegger: Ich schaue mir Messen gerne an, Gewinn in Wien und Salzburg oder jetzt gerade vor kurzem die Invest in Stuttgart, welche ich über n-tv und DAF verfolgte. 

Stowasser: Ich bin nicht der grosse Messebesucher. Was mir aber auffällt, ist, dass österreichische Unternehmen viel zu wenig mit Social Media arbeiten. Hier könnte man sehr gut kleinere Anleger ansprechen, um das Informationsgefälle zwischen den grösseren und den kleineren Anlegern besser ausgleichen zu können. Gut informieren die voestalpine oder von den Brokern brokerjet. Andere tun gar nichts, zum Beispiel der Raiffeisen-Sektor. Dort scheint das keine Rolle zu spielen, was ich auch auf einer Social Media-Tagung aus internen Kreisen so wahrgenommen habe. 

Drastil: Stichwort Broker – ausser dem sehr menschlichen Bedürfnis nach vernünftigen Spesen - was erwartet sich der Privatanleger vom seinem Broker? 

Beigl: Ich glaube, Herr Luntsch wird mir beipflichten: Es geht um die Stimmkarten für die HV. Das schaffen die wenigsten problemlos in Österreich. Das neue Procedere ist zu komplex, oft braucht es Vollmachten und das funktioniert nicht mehr so leicht. Natürlich könnte man es im Internet anschauen, aber vor Ort ist halt vor Ort. 

Luntsch: Die Stimmkarte ist mir wichtig, es ist mein Aktionärsrecht, auf die HV zu gehen. Viele Banken verlangen da sehr viel Geld für die Abwicklung; subjektiv gesehen funktioniert das bei brokerjet am besten. 

Salchenegger: Das Kundenservice ist mir sehr wichtig, natürlich die Spesen, auch kostenlose Stimmkarten erwarte ich mir. 

Stowasser: Ich erwarte mir, dass alle Asset Klassen handelbar sind, das trifft bei österreichischen Brokern nicht zu. Ich habe deswegen mehrere Broker. Schön wäre es auch, wenn das Angebot an Kursdaten besser wäre, sonst muss man sich auch das zukaufen. 

Luntsch: Ich wünsche mir von brokerjet, dass Anleihen ins Angebot aufgenommen werden, das ist auch ein schönerer Sicherheitspolster für etwaige Überziehungen. Das löst weniger Margin-Calls aus und zieht auch konservativeres Publikum an. 

Stowasser: Interessanter Punkt – gibt es wirklich so viele, die via Margin-Linien unterwegs sind? 

Luntsch: In meinem Umfeld handeln sehr viele über Kredit. 

Stowasser: Würde ich nicht tun; man muss den Worst Case verkraften können. 

LuntschImmofinanz ist ein Beispiel. Plötzlich steht die Aktie auf 2 Euro. Man glaubt, dass sie nicht tiefer fallen kann und geht mit allem rein, was man noch an Kredit kriegen kann, bei 1,60 sind dann alle wieder rausgeflogen. Bei 1,40 wieder rein, bei 1,00 wieder rausgeflogen. Unten mit 30 Cent konnte man nichts mehr zukaufen. Da hat es viele erwischt. 

Drastil: Thema Geschäftsbericht – wie wichtig ist der für Sie? 

Stowasser: Bei langfristigen Investments definitiv. 

Luntsch: Ich lese gerne Geschäftsberichte beim Essen. Man lernt viel, zum Beispiel aus den Vorstands- und Aufsichtsratsbezügen. Wenn sich die Vorstände und Aufsichtsräte bei Firmen zuviel gönnen, denen es nicht so gut geht, dann auf alle Fälle Finger weg! Geschäftsberichte ganz durchzustudieren, dafür fehlt mir die Zeit. Herr Dr. Knap tut das aber, und von seinen Fragen zum Geschäftsbericht erfahre ich auf Hauptversammlungen sehr viel. 

Salchenegger: Geschäftsberichte sind für mich sehr wichtig, ich muss da wieder Andritz nennen. Inhaltlich gefällt mir das sehr gut. Ich glaube, auch das wirkt sich auf den Aktienkurs aus. Investoren sind zudem dankbar, wenn man sie besuchen kommt. 

Beigl: Auch für mich sind Geschäftsberichte sehr wichtig, ich hab sie gerne vor der Hauptversammlung zugesandt, das funktioniert nicht überall. 

Luntsch: Entbehrlich finde ich, dass der Nachhaltigkeitsbereich bei manchen schon so dick ist wie der Geschäftsbericht. Viel unnötig bedrucktes Papier, schad um die Umwelt. 

Beigl: ... und dann jedes Jahr das gleiche drinnen steht. 

Drastil: Über den BE haben wir uns kennengelernt, welche Medien konsumieren Sie sonst noch? 

Beigl: Neben dem BE das WirtschaftsBlatt, Presse, Standard, Online-Foren. 

Salchenegger: Ich freu mich auch, dass es Apps gibt, von Euch, vom WirtschaftsBlatt. Zu den genannten Printmedien den „Aktionär“, bei dem ich ja mal gearbeitet habe, auch den Börsen-Kurier, Gewinn, Format, Börse Online, Euro am Sonntag, Fonds Professionell, Die Presse, Der Standard, Kleine Zeitung, Kurier und am Samstag die Krone. 

Luntsch: Beim WirtschaftsBlatt gefällt mir, dass hier auch mal negativ über Firmen berichtet wird, die mit Klage wegen Kreditschädigung drohen, also die trauen sich manchmal was, sowas will ich als Anleger lesen. Den Börsen-Kurier lese ich auch. 

Stowasser: Bloomberg, zusätzlich versuche ich Daten direkt zu holen, zB Fed oder Weltbank. Vor allem für Rohstofftrading ist das wichtig. Bei österreichischen Medien habe ich eine kleine Beobachtung: Ich schaue mir gerade anhand der Berichte im Staatsarchiv den Gründerkrach 1873 ziemlich genau an. Was auffällt ist, dass die Medien damals sehr gut und differenziert berichtet haben. Die ökonomischen Theorien sind natürlich auf dem Stand des 19. Jahrhunderts, aber im Vergleich zu heute sind die Berichte fundiert und erfrischend hochwertig. 

Drastil: Themawechsel: Geldanlage unabhängig von der Aktie – was interessiert die Runde sonst noch? 

Beigl: Bei mir steht die Aktie im Mittelpunkt, auch deshalb, weil ich bei der Hauptversammlung mein Stimmrecht ausüben kann und auch eine Dividende bekomme. Und ich habe ein Rede- und Auskunftsrecht; ich nütze das nicht immer, weil ich HVs nicht in die Länge ziehen will, aber ich finde es prinzipiell gut, dass gefragt wird. Das alles habe ich bei einem Fonds nicht. Es ist schon spannend zu sehen, wie ein Vorstand auf Fragen reagiert. Es gibt auch genügend Selbstdarsteller bei HVs aber in der Regel kommen überlegte,fundierte Fragen, und nicht der so gerne zitierte Buffet-Pöbel. 

Salchenegger: Auch bei mir stehen Aktien im Mittelpunkt. Mir gefällt, dass ich bei der HV fragen kann. Dazu der Austausch mit den anderen Aktionären. Ich mache ein wenig mit Zertifikaten und CFDs, habe jahrelang Fonds vertrieben, aber die Aktie ist mir am liebsten. Ich trade u.a. im US- und UK-Öl, da kenne mich aus, da ich für ein internationales Öl-Unternehmen die Ölprognosen mache. 

Luntsch: Wohnbauanleihen habe ich genannt, dazu Corporate Bonds wie Immofinanz, das täte mich interessieren. 

Drastil: Täte? 

Luntsch: Es wäre schön, wenn es da mehr Informationen geben würde, zB auch von den Analysten, die Bedingungen sind für Private oft schwer zu durchschauen, Kündigungsrechte und so. Die Immofinanz-Anleihen wurden zB von einem Schweizer Medium gut recherchiert und erklärt, damals, als sie nicht einmal ein Fünftel des Nominales gekostet haben. Ich habe mich aber nicht getraut. 

Stowasser: Im Positionstrading setze ich auf Zertifikate und CFDs, längerfristig Aktien und Anleihen. Fonds nur dann, wenn der Markt oder das Thema passen, ich aber nicht die Kapazitäten für eigenes Research habe. 

Drastil:  Schlussfrage: Was liegt der Runde am Herzen? 

Luntsch: Ich wünsche mir, dass der Aktionär wieder einen besseren Ruf bekommt. Das geht in Richtung Politik, aber auch in Richtung Massenmedien. Ich glaub, so eine Feindseligkeit den Aktionären gegenüber wie in Österreich gibt es sonst nirgendwo auf der Welt. Der BE hat sich ja schwer getan, überhaupt vier Privatanleger für diese Runde zu gewinnen. Es schämt sich jeder. Ich hoffe, dass nächstes Mal zwanzig Leute hier sitzen. 

Salchenegger: An den Massenmedien übe ich auch Kritik, an allen Dingen sind „Spekulanten“ schuld. Auch Privatisierungen sollten forciert werden. 

Luntsch: Wir Österreicher sind ja froh, wenn die RLB OÖ Aktien von oberösterreichischen Firmen kauft, dann scheinen Politikern, Bevölkerung und Mitarbeitern die Chancen grösser, dass die Firma nicht abwandert. Warum also jetzt die privaten Langfristaktionäre von Beteiligungen an inländischen Firmen verdrängen? Diese kurzsichtige Vorgangsweise wird sich garantiert einmal rächen, und dann werden die Politiker wieder Krokodilstränen weinen, wenn Maschinen abgeholt und Werke geschlossen werden, weil die Firma in ausländischer Hand ist, für die nur Profite zählen, die aber keine emotionale Beziehung zu Land und Menschen hat. 

Stowasser: Das Finanzwissen in Österreich ist erschreckend gering. Es gibt so gut wie kein Angebot an Schulung und Ausbildung, Österreich wird auch am Pisa-Test für Finanzwissen nicht teilnehmen, das sagt ja auch viel aus. Wenn die Leute dann unwissend sind, hat man es in der Politik und in den Medien mit groben Vereinfachungen leichter. Da sollte man ansetzen, aber dafür ist eine Börserunde wohl das falsche Forum. Auch der Ruf der Banken ist extrem schlecht, wichtig wären mehr Transparenz und sachliche Information für die breite Öffentlichkeit. Da ist etwa auch eine Nationalbank mehr gefragt. 

Beigl: Ich habe noch nie eine Werbung für eine Aktie in einer Bank gesehen. In Skandinavien ist das ganz normal. Wo sind die ganzen Investmentabteilungen? 

Salchenegger: Heutzutage dürfen in den Banken ja schon gar keine Aktien empfohlen werden. Sie werden als zu spekulativ hingestellt. Es müsste viel mehr gemacht werden in Richtung Kleinaktionäre. Oder ganz aktuell: Man sieht ja, was bei der Amag passiert, da war die ganze Information zur Zeichnung intrasparent. 

Beigl: Und es gibt auch keine Roadshows mehr, der Streubesitz ist mittlerweile nicht mehr im Fokus. Schade. 

Salchenegger: Ich interessiere mich sehr für die Isovoltaic und habe beim Unternehmen nach einer Veranstaltung gefragt, wurde aber lediglich auf die Unternehmenshomepage verwiesen. Auch Research findet man keines. 

 

 


(17.05.2017)

2011, also ich noch für den Börse Express zuständig war: Günter Luntsch, Jürgen Stowasser, Christian Drastil, Wolfgang Beigl, Erhard Salchenegger


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