Die Weltwirtschaft steht vor einem fundamentalen Wandel der Bedrohungslage. Das geht aus dem aktuellen Allianz Risk Barometer 2026 hervor, dessen alarmierende Ergebnisse nun durch neue Branchenanalysen untermauert werden. Internationale Behörden und Schlüsselindustrien wie die Schifffahrt restrukturieren ihre Sicherheitsarchitekturen radikal – angetrieben von den beiden Top-Risiken: Cyber-Vorfälle und Künstliche Intelligenz (KI).
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Zum finten Mal in Folge sind Cyber-Vorfälle das größte Geschäftsrisiko weltweit. In der Januar-Umfrage unter 3.300 Risikoexperten aus 97 Ländern nannten 42 Prozent diese Bedrohung – der höchste Wert in der 15-jährigen Geschichte des Barometers. Das digitale Risiko hat damit einen Vorsprung von zehn Prozentpunkten vor dem zweitplatzierten Gefahrenherd.
Die Dominanz ist global und betrifft Konzerne ebenso wie Mittelständler. Hintergrund ist die tiefe Abhängigkeit von Digitaltechnologie, Cloud-Diensten und der Datenverarbeitung durch Drittanbieter. „Cyber-Risiko ist kein IT-Problem mehr, sondern eine Frage der systemischen Geschäftskontinuität“, so die Analyse. Angriffe und IT-Ausfälle der letzten zwölf Monate legten bereits kritische Lieferketten und Teile der Wirtschaft lahm.
Die spektakulärste Verschiebung ist der Aufstieg der Künstlichen Intelligenz. Innerhalb eines Jahres katapultierte sie sich von Rang zehn auf den zweiten Platz der globalen Risiken. 32 Prozent der Experten sehen in KI eine Hauptgefahr. Treiber ist die rasante Integration generativer und agentenbasierter KI-Systeme in Geschäftsprozesse, die die Entwicklung von Regulierung und internen Kontrollen überholt.
Fast die Hälfte der Befragten sieht in KI zwar mehr Chancen als Risiken. Doch ein Fünftel bewertet die Lage genau umgekehrt. Die Sorgen der Risikomanager drehen sich um Systemzuverlässigkeit, Datenqualität und einen akuten Fachkräftemangel. Juristen warnen vor Haftungsfallen durch automatisierte Entscheidungen, voreingenommene Modelle oder Urheberrechtsverletzungen. Die Folge: Unternehmen setzen vor allem auf Schulungen und Qualifizierung ihrer Belegschaft.
Die reale Wirkung dieser Bedrohungen zeigt sich jetzt in den Schlüsselindustrien. Eine Analyse der internationalen Anwaltskanzlei Clyde & Co vom 24. Februar belegt: Für Hafenbehörden weltweit ist Cybersicherheit inzwischen das absolute Top-Risiko. Über 60 Prozent der globalen Häfen stufen sie höher ein als traditionelle physische Gefahren wie Naturkatastrophen.
Dies spiegelt einen weiteren Trend wider: Betriebsunterbrechung rutschte erstmals seit einem Jahrzehnt aus den Top zwei und liegt jetzt auf Platz drei. Doch das bedeutet keine Entwarnung. Vielmehr wird der Produktionsausfall zunehmend als fatale Folge der digitalen Top-Risiken gesehen. Systemische Cyber-Angriffe oder KI-bedingte Betriebsfehler sind die neuen Hauptauslöser für Lieferkettenlähmungen.
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Hinzu kommt der Druck durch die Weltlage. Geopolitische Risiken und Gewalt stiegen im Barometer 2026 auf den siebten Platz – ein Allzeithoch. Eine durch einen Konflikt großer Wirtschaftsmächte ausgelöste globale Lieferkettenlähmung gilt unter Experten als das plausibelste Worst-Case-Szenario für die kommenden fänf Jahre.
Für Compliance-Abteilungen wird die Rechtslage immer unübersichtlicher. Änderungen in Gesetzen und Regulierung stehen auf Platz vier der globalen Risiken. Die regulatorische Divergenz wird zur größten Herausforderung 2026, da wichtige Wirtschaftsräume in Sachen Digital-Privacy, KI, Aufsichtsstandards und Nachhaltigkeitsberichte völlig unterschiedliche Wege gehen.
Naturkatastrophen (Platz fünf) und Klimawandel (Platz sechs) sind in der Rangliste zwar gesunken. Doch die finanziellen Lasten bleiben enorm. 2025 war bereits das sechste Jahr in Folge, in dem die versicherten Schäden durch Extremwetter global die Marke von 100 Milliarden US-Dollar überschritten.
Die Ergebnisse markieren einen Wendepunkt. Vor zehn Jahren rangierten Cyber-Vorfälle noch auf Platz acht, KI war gar nicht auf dem Radar. Heute sind beide untrennbar verbunden: KI wird einerseits von Angreifern genutzt, um Cyber-Attacken zu optimieren, und andererseits von Verteidigern zur Abwehr eingesetzt.
Diese Verknüpfung erfordert ein Ende des isolierten Risikomanagements. Branchen mit kritischer Infrastruktur – wie Schifffahrt oder Fertigung – behandeln digitale Widerstandsfähigkeit inzwischen als oberste Betriebspflicht. Die Konvergenz von Betriebs- und Informationstechnologie bedeutet: Eine Software-Schwachstelle kann heute direkt Kräne, Maschinen oder Logistiksysteme stilllegen.
Für das restliche Jahr 2026 zeichnet sich ab, dass Unternehmen integrierte Resilienz-Strategien entwickeln müssen. Traditionelle Jahres-Assessments reichen nicht mehr aus. Der Fokus wird auf dynamischer Früherkennung, Szenario-Modellierung und Stresstests liegen, um Kaskadeneffekte von Cyber- und KI-Ausfällen vorherzusehen. Gleichzeitig steigen die Compliance-Kosten durch neue KI- und Datenschutz-Regularien. Am besten positioniert sein werden jene Unternehmen, die eine robuste Daten-Governance mit einer konsequenten Weiterbildung ihrer Mitarbeiter verbinden.
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