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Was ist quantitatives Trading und warum funktioniert es? (Thomas Vittner)


Zunächst möchte ich mich kurz vorstellen: mein Name ist Thomas Vittner. Ich bin 47 Jahre alt und lebe in Wien. Seit 2001 handle ich Aktien (genau genommen "Equity") an den internationalen Börsen. Seit 2009 bin ich Asset Manager. Ich habe auch schon ein paar Bücher (Das Trader Coaching, Das Trading Tagebuch etc.) über die Börse geschrieben. Im Jahr 2013 wurde von mir Vittner & Partner gegründet, ein Unternehmen, das computergestützte Handelsmodelle für die Finanzmärkte entwickelt. Mein neuestes Projekt ist http://www.moomoc.com/?l=de. Eine Plattform für Anleger und Trader, die Unterstützung bei Ihrer persönlichen Geldanlage bietet.

Ich werde nach und nach hier in diesem Blog über quantitative Handelsmodelle sprechen und zeigen, dass Börse auch "anders" funktioniert als es in den Medien immer wieder dargestellt wird. Nämlich mit einem statistischen Zugang. Und ich verspreche, dass das Thema nicht so trocken ist, wie es klingt. Denn ich werde dabei mit einigen Mythen aufräumen, die sich so hartnäckig in den Köpfen der Marktteilnehmer eingenistet haben.

Wenn Sie Fragen zu moomoc oder unseren Dienstleistungen haben, kontaktieren Sie mich bitte. office@moomoc.com.

Ich wünsche Ihnen alles Gute für Ihren Börsenerfolg

Thomas Vittner, Wien im Juli 2016

Was ist quantitatives Trading und warum funktioniert es?

Würden Sie ein Medikament einnehmen, bei dem eine klinische Studie besagt, dass im Rahmen einer Testgruppe von 5000 Personen bei 55% schwere Nebenwirkungen eintraten? Wahrscheinlich nicht. Aber warum eigentlich nicht? Bei dieser Studie handelt es sich doch bloß um einen statistischen Effekt. Für Sie kann die Sache doch ganz anders aussehen. Und überhaupt: die Studie arbeitet mit vergangenen Daten, haben die für die Zukunft überhaupt eine Relevanz? Sehen wir weiter.

Die Märkte kann man nicht schlagen - sagt wer?

Vor kurzem ist etwas interessantes passiert. Wir führen laufend Gespräche mit verschiedenen Vermögensverwaltung, die Interesse an unseren Handelssystemen zeigen. Natürlich gilt es dabei einiges an Überzeugungsarbeit zu leisten und manche Gesprächspartner sind skeptisch. Das ist auch ihr gutes Recht - doch trotzdem fand ich eine Argumentation sehr aufschlussreich und dies veranlasste mich zu diesem kurzen Essay.

Ich nehme vorweg, dass wir von dieser Vermögensverwaltung eine Ablehnung bekamen. Sie wollten unsere Systeme nach einer internen Prüfung nicht in ihr Strategieportfolio aufnehmen. Die Begründung lautete sinngemäß: Wir von XZY sind der Auffassung, das niemand die Märkte auf lange Sicht outperformen kann. Mathematische oder generell technische Modelle funktionieren des weiteren nicht, weil sie vergeblich versuchen, mit Daten aus der Vergangenheit die Zukunft vorherzusehen.

Die Effizienzmarkthypothese

Nun liegt es auf der Hand, dass jemand, der so eine Aussage tätigt, von der Effizienzmarkthypothese überzeugt ist. Diese besagt in drei Ausprägungsstufen, dass jeglicher Versuch, die Märkte outzuperformen, sinnlos ist, weil alle Informationen in den Kursen bereits enthalten sind und die Marktteilnehmer stets logisch im Sinne dieser Informationen agieren.

Sie finden hier auf Wikipedia mehr Infos zu diesem Thema

Genau das Gegenteil ist der Fall

Empirische Untersuchungen belegen allerdings das Gegenteil. Es gibt sehr wohl statistische Effekte, die man nutzen kann, um an den Märkten Geld zu verdienen. Diese können sowohl fundamental wie auch technisch sein.

Unabhängig davon ist diese Aussage deshalb interessant, weil sie von einem Vermögensverwalter stammt. Denkt man dieses Statement zu Ende, raubt man seinem eigenen Geschäft - Geldanlage für Dritte - seine Existenzberechtigung. Wenn niemand die Märkte schlagen kann, braucht es auch keine Vermögensverwaltung, die mein Geld anlegt. Dann steckte ich mein Geld in einen EFT auf den Gesamtmarkt und nutze den Cost Everage Effekt, in dem ich zum Beispiel monatlich meine Anlage aufstocke. Denn egal ob ich an der Börse mit einem statistischen Modell (Systemtrading) oder mit Erfahrung (Diskretionär) handle, der Grundzweck bleibt gleich: ich versuche vergangene Informationen (Daten) zu meinem Vorteil zu nutzen.

Statistik ist überall

Letztlich sei nicht unerwähnt gelassen, dass auch viele andere, durchaus erfolgreiche, Branchen mit statistischen Daten arbeiten:

Versicherungen (Prämienkalkulationen - u.a. in der Lebensversicherung)
 Politik (Wahlhochrechnung)
 Meinungsumfragen
 Wetter (Unwetterwarnungen)
 Pharma (Medikamenten Tests & Verträglichkeiten)
 Lebensmittelbranche (Verträglichkeiten etc.)
 Stichproben bei Produktionsbetrieben (jeglicher Produkttest)

Statistische Modelle funktionieren. An der Börsen und im Alltag. Jegliche Statistik baut auf vergangenen Daten auf. Kurse von Wertpapieren sind Daten. Charts sind Datenserien. Warum soll diese Grundlogik an den Märkten nicht greifen?

Viele unserer Verhaltensweisen beruhen auf statistischen Effekten, ohne das wir darüber nachdenken. Fliegen ist eigentlich eine verrückte Idee - warum tun wir es trotzdem? Weil es statistisch gesehen die sicherste Art zu Reisen ist. Kondome benutzen wir, um uns zu 94% vor Krankheiten oder Überraschungen zu schützen. Schnitzel essen wir nicht, weil wir es möglicherweise nicht vertragen. Die Aufzählung ließe sich unendlich fortsetzen.

Das Fazit

Statistische Trading Modelle sind nicht der einzige Weg, um an den Märkten Geld zu verdienen. Sie sind nur eine Möglichkeit von vielen. Welchen Weg wir gehen spielt letztlich keine Rolle. Doch es muss uns bewusst sein, dass wir immer wenn wir an der Börsen agieren, wenn auch unbewusst, auf Daten aus der Vergangenheit zurückgreifen und damit die Zukunft zu antizipieren versuchen.



(05.07.2016)

Charts Trading, (© photaq / Drastil)


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