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So kannst Du früh in den Ruhestand: Hohe Sparquote, volle Kanne in Aktien (Tim Schäfer)


Junge Ingenieure und Programmierer in Silicon Valley kassieren verdammt gute Löhne. Sechsstellige Summen im Jahr sind Usus geworden. Gleichzeitig scheinen immer mehr Karrierestarter zu sparen wie blöd. Bei Google haben einige so viel gespart, dass sie zum Chef „Fuck you“ gesagt haben und sich in den Frühruhestand verabschiedet haben. Sehr zum Ärger von Google.

Diese Aussteiger werden kaum zuhause auf der Couch den ganzen Tag liegen. Ich denke, etliche werden reisen. Oder sich selbstständig machen mit einem Projekt oder Kunden. Manch einer möchte lesen, malen, sich um die Kinder kümmern. Ich könnte mir vorstellen, auf ein Segelschiff zu gehen. Oder in einem Fitnesscenter zu arbeiten. Oder für eine Stiftung tätig zu werden. Ich habe viele Ideen. Den inneren Frieden zu erreichen ist mein Ziel. Eine enorme Gelassenheit zu entwickeln ist herrlich.

Wie geht die Fuck-You-Strategie? ETFs oder Aktien kaufen. Lebenshaltungskosten drastisch senken. Keine großen Ausgaben wagen. Hast Du dann die Freiheit erreicht, gilt folgendes Prinzip: Du darfst das Vermögen nur zu maximal vier Prozent im Jahr aufbrauchen, um es nicht dauerhaft zu gefährden. Wer also eine Million Euro in Aktien hat, kann 40.000 Euro im Jahr ausgeben. Mehr ist nicht drin. Du kannst Dir also kaum einen neuen Porsche kaufen. Du musst vorsichtig sein – sonst ist Deine Million schneller weg, als Du denkst. Wer vorsichtig haushaltet und nicht jeden Tag ins Restaurant rennt und die Waschmaschine nicht jeden Tag laufen lässt, kann seine Freiheit dauerhaft genießen.

Wie die Strategie funktioniert, erklärt dieses Video:

Der typische Deutsche schafft das nicht. Er arbeitet 45 Jahre, bis endlich die finanzielle Freiheit beginnt. Dabei ist es dann schon recht spät, um die goldene Zeit noch genießen zu können. Warum arbeiten die Deutschen so lange? Weil sie große Wünsche haben. Sie kaufen gerne Neuwagen. Ein Neuwagen kostet im Schnitt 28.000 Euro. Sie lieben große Wohnungen/Häuser. Das kostet Miete. Oder es ist eine üppige Hypothek nötig. Ständig kommen Renovierungen hinzu. Die Hochzeit kostet 25.000 Euro. Die Kleidungswünsche gehen ins Geld usw.

Einerseits geben die Deutschen zu viel für Konsum aus (Stichwort Auto). Andererseits legen sie ihr Geld falsch an. Sie sind Aktien extrem skeptisch gegenüber eingestellt. Beide Hindernisse siehst Du gut anhand der vielen sinnlosen Kommentare unterhalb eines Artikels auf dem Massenportal t-online:

Ich denke, die Menschen können im Endeffekt viel früher in den Ruhestand, wenn sie das Geld nicht verpulvern würden. Üblich scheint es hierzulande zu sein, dass Bürger im Alter von 50 Jahren noch massig Schulden haben. Ich verstehe das nicht. Das war meine Strategie:

Die finanzielle Freiheit zu erreichen ist hart. Es erfordert extreme Disziplin. Es erfordert womöglich Nebenjobs. Aber Du kannst die Früchte ernten. Du hast irgendwann alles, was Du brauchst. Aber Du wirst nie vergessen, welche Entbehrungen Du hattest. Du fährst alte Autos, gehst in billige Hotels. Es ist manchmal anstrengend. Der Nachbar mit dem dicken Auto und den ständig neuen Anzügen, der wird vermutlich Schulden bis zur Halskrause haben. Du fährst vermutlich mit dem Rad oder ÖPNV zur Arbeit, während die Kollegen in blitzeblanken Nobelschlitten ankommen.

Übrigens verstehe ich die Leute nicht mit dem teuren Nobelauto. Wenn schon, dann würde ich das Geld eher für Erlebnisse als in materielle Dinge ausgeben. Ein Urlaubserlebnis wäre mir mehr wert als täglich das Luxusauto zu fahren. Die glücklichsten Leute sind nicht jene, die Luxusschlitten fahren und in Villen residieren, sondern jene, die mit dem zufrieden sind, was sie haben. Die Genügsamen sind zufrieden.

Ich erlebe jeden Tag Leute, die angeben mit materiellen Dingen. Sie kriegen den Hals nie voll. Sie gehen eines Tages pleite. Auf Statussymbole zu verzichten – das ist es wert. Die Freiheit ist mehr wert als all der Plunder. Luxus macht ohnehin nicht glücklich. Selbst wenn die Werbung uns das vorgaukelt. Es ist eine Scheinwelt.

Im Original hier erschienen: So kannst Du früh in den Ruhestand: Hohe Sparquote, volle Kanne in Aktien



(14.02.2017)

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Tim Schäfer

Der Journalist Tim Schäfer pendelt seit dem Frühjahr 2006 zwischen New York und Deutschland. Wöchentlich berichtet er über die Geschehnisse an der Wall Street für Euro am Sonntag, eine der führenden deutschen Wirtschaftspublikationen. Darüber hinaus schreibt er für Magazine wie Der Aktionär oder die Börsenbriefe Prior Global und Prior Gold.

>> http://timschaefermedia.com


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