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Warum der DAX sich demnächst halbieren wird – Teil 2 (trading-treff.de, Christoph Scherbaum)


Im ersten Teil ging ich bereits auf die „Ist Situtation“ ein. Nun folgt der Ausblick der meine Kernthese stützt: Der DAX könnte sich halbieren!

Damoklesschwert über den Märkten – Der DAX ist zu teuer

Wenn wir bei dem Thema „Zukunft“ sind, stellt sich doch die Frage, ob es für die Börsianer auch Anhaltspunkte gibt, ein düsteres Bild zu malen? Und ja, so verrückt es klingt: Die Inflation wird langsam zu einem Problem für die Märkte!

DAX könnte sich halbieren
Verbraucherpreisindex 2016

Hier können sie die Inflation im Blick behalten.

Immerhin war es in den vergangenen Jahrzehnten noch völlig normal, dass die Inflationsrate und die Zinsen in Korrelation standen. Kein Anleger bei Verstand leiht einer Institution über 10 Jahre Geld für unter einem Prozent, wenn die Inflationsrate bei über zwei Prozent steht, es sei denn, er erwartet einen heftigen deflationären Schock, den dieser spezielle Emittent überstehen würde. Sollte es zu diesem Schock kommen, sind steigende Aktienkurse sehr unwahrscheinlich und der Investor tat gut daran, sein Geld für unter einem Prozent zu verleihen. Auf der anderen Seite wäre es allerdings ebenfalls denkbar, dass die Renditen wieder mit der Inflationsrate korrelieren. Aktuell hält nur die rege Nachfrage der Europäischen Zentralbank diese Korrelation auf. Sollte diese nicht mehr dauerhaft intervenieren, wären „sichere“ Renditen von über 2 % im 10 jährigen Bereich mehr als nur wahrscheinlich.

Auswirkungen eines Renditeanstiegs – Der DAX könnte sich halbieren

Im Zuge dessen würden sich die Verbindlichkeiten der Konzerne deutlich verteuern. Natürlich würde auch das nicht über Nacht geschehen, aber auch hier gilt: An der Börse wird die erwartete Zukunft gehandelt.

Sicherlich würde es auch Profiteure auf der Passivseite der Bilanz geben. So würden Pensionsverpflichtungen auf die Dauer entlastet werden. Allerdings bleiben wir bei der „Milchmädchenbetrachtung“, denn hier geht es nur um das Prinzip an sich. Ein Renditeanstieg von nur einem Prozent würde so zu einer kalkulativen zukünftigen Belastung von mehr als 10 Milliarden Euro führen. Je nach Schuldenstand für 2017 wären auch deutlich höhere Werte möglich. Wie wir es drehen und wenden, der DAX ist zu teuer, jedenfalls wenn die Inflation weiter steigt. Im Jahr 2016 war der Jahresüberschuss der DAX Konzerne ex Finanz bei circa 65 Milliarden. Man könnte also durchaus eine deutliche Verschlechterung der Finanzlage erwarten. Diese würde sich zusätzlich auf die Spreads zwischen Staatsanleihe und Coporate Bonds auswirken.

Der DAX könnte sich halbieren, denn er ist zu teuer, auch relativ

Doch auch das ist nur die eine Seite der Medaille. Die zweite Seite wurde hier auf Trading-Treff bereits thematisiert. Der Anstieg des Zinsniveaus würde auch die relative Attraktivität der Anlageklassen Immobilien und Aktie verschlechtern. So kann man also bei einem Anstieg des Renditeniveaus um mehr als 2 Prozent auf der einen Seite mit deutlich schwächeren Ergebnissen rechen. Auf der anderen Seite werden dann auch relative Einbußen stattfinden. Eine „sichere Anleihe“ ist mit 2-3 Prozent deutlich attraktiver für risikoscheue Anleger, als eine Aktie mit einer Dividendenrendite von 3 Prozent.

All diese Gedanken zeigen eines deutlich auf: Die aktuelle Stärke der Märkte ist vor allem dem „künstlichen Zinsniveau“ geschuldet. Dieses Zinsniveau ist aktuell bereits deutlich verzerrt. Jeder weitere Anstieg der Inflation würde diese Verzerrung verstärken. Im Gegensatz zu der sonst so einhelligen Meinung, wird der Aktienmarkt in der aktuellen Situation von „mehr Inflation“ sehr wahrscheinlich nicht profitieren können. In meinen Augen wird er eher deutlich verlieren. Einzig eine langsame Rückkehr der Inflation in Richtung Nulllinie kann den DAX noch retten, so verrückt das auch klingen mag. Ansonsten sehe ich Abgaben von 30-50% als sehr wahrscheinlich an

Fazit

Da Zinsen aber gewöhnlich nicht über Nacht um zwei Prozent steigen und die EZB aktuell noch alles tut, um die Märkte zu beruhigen, ist eine direkte Angst unangebracht. Trotzdem kann ein Blick auf die langlaufenden Bundesanleihen ab und an nicht schaden. Wir möchten Sie mit dem Text nicht verunsichern, aber den Blick auf ein paar Fakten lenken, die durchaus schon bald kritisch beleuchtet werden könnten. Und dann haben Sie bereits auf Trading-Treff davon gelesen und können direkt in die Argumentationskette einsteigen.

Die oben genannten Punkte klingen sicherlich ungewöhnlich, denn die Lehrbücher erzählen uns andere Dinge über Inflation und Aktien. Doch die Lehrbücher beschreiben auch keine Phase mit einem unangemessenen Zinsniveau im negativen Bereich. Daher fehlt wohl uns allen aktuell auch die Intuition um kluge Entscheidungen aus dem Bauch heraus zu treffen. Auf diesen Punkt gehe ich in meiner nächsten Analyse ein. Bis dahin wünsche ich gute Trades,

deepinsidehps

Teil 1 ist hier zu finden.

 

Dieser Beitrag von deepinsidehps wurde von trading-treff.de zur Verfügung gestellt. Dort gibt es Analysen, Wissen und Emotionen zum Trading.

„deepinsidehps“ steht vor allem für den vertiefenden Einblick in die Märkte. Insbesondere Meinungen und Gedanken abseits der gültigen Konventionen sind die Prämissen des Users.

 



(22.05.2017)

Fallend, fallen, abwärts, rot, negativ http://www.shutterstock.com/de/pic-271062005/stock-photo-downward-arrow-formed-by-numbers-d-render.html, (© www.shutterstock.com)


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Christoph Scherbaum

Die Börsenblogger ist das einfache und direkte Sprachrohr von Journalisten und deren Kollegen, die teils schon mit jahrzehntelanger Arbeits- und Börsenerfahrung aufwarten können. Auch als professionelle Marktteilnehmer. Letztlich sind wir alle Börsenfans. Aber wir vertreten in diesem Blog auch eine ganz simple Philosophie: Wir wollen unabhängig von irgendwelchen Analysten, Bankexperten oder Gurus schreiben, was wir zum aktuellen (Börsen-)Geschehen denken, was uns beschäftigt. Das kommt Ihnen, dem Leser, zu Gute.

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