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Mit der erfolgreichen Rekapitalisierung der griechischen Banken sollte die Unsicherheit einer Hellas-Pleite vom Tisch sein (Birgit Willberger)


„Griechenland hat die von der EU-Kommission bis Jahresende geforderte Rekapitalisierung der vier großen „Systembanken“ erfolgreich abgeschlossen. Damit sollte der Weg für eine stabile Erholung der griechischen Wirtschaft geebnet sein. Die solide Ausstattung der Banken mit frischem Eigenkapital war eine der Auflagen der europäischen Gläubiger Griechenlands für eine Auszahlung der Hilfsgelder im Rahmen des dritten Rettungspaketes gewesen. 

Insgesamt fast 10 Milliarden Euro flossen in den vergangenen Wochen den vier Großbanken Alpha Bank, Eurobank, Piräus Bank und National Bank of Greece im Bookbuilding-Verfahren von internationalen Finanzinvestoren zu. Die noch im Zuge des zweiten Hilfspakets von den Gläubigern angeordnete Verstaatlichung des griechischen Bankensektors wurde damit rückgängig gemacht. Durch die aktuelle Re-Privatisierung hält der griechische Staat nun nur noch Minderheitsbeteiligungen ohne nennenswerte Einflussmöglichkeiten. 

Mit dem Rückzug des Staates ist jetzt der Weg frei für eine neue Stabilität griechischer Banken. Insbesondere die Wirtschaft benötigt dringend Kredite zur Sicherung und zum Ausbau des laufenden Geschäfts sowie für Investitionen. Und der Staat kann aus den Verkaufserlösen der bisherigen Bankenbeteiligungen offene Zahlungsverpflichtungen an die Unternehmen begleichen. Das schafft der Wirtschaft in der Breite eine verbesserte Liquiditätsausstattung und eine komfortablere Ausgangssituation in Finanzierungsfragen. Wir gehen davon aus, dass die griechische Wirtschaft insgesamt davon profitieren wird. Die Unsicherheiten einer Pleite Griechenlands sollten mit der Banken-Rekapitalisierung vom Tisch sein. 

Die Kreditinstitute wurden durch die Zuführung von frischem Eigenkapital in ihrer Kapitalausstattung erheblich gestärkt. „Nach der Rekapitalisierung sind die griechischen Banken jetzt sogar in der Lage, extreme Stress-Szenarien abzufedern, wie zum Beispiel ein Anteil notleidender Kredite von 50 Prozent. Das Preis-Buchwert-Verhältnis griechischer Banken liegt mit 0,35 auf einem Rekordtief. Niedrig wie nie ist dementsprechend auch der Anteil des Bankensektors am Bruttoinlandsprodukt – gerade einmal sechs Prozent. 

Die Kurse griechischer Bankaktien sind im Zuge des Rekapitalisierungsprozesses noch einmal deutlich gefallen – zum Unverständnis vieler Anleger. Während die Marktkapitalisierung der vier Großbanken vor der Kapitalzuführung noch bei 65 Milliarden Euro lag, sind es jetzt nicht einmal mehr 10 Milliarden Euro. Damit entspricht der aktuelle Marktwert der Großbanken den durch die Rekapitalisierung zugeflossenen Mitteln, wobei alte Assets praktisch mit Null bewertet werden. Einerseits waren für den Ausverkauf wohl die Verzögerungen bei der Umsetzung von Reformen ausschlaggebend, andererseits die Spekulationen internationaler Investoren.

Griechische Bankaktien bieten historische Einstiegsgelegenheiten. Dies könnte auch dem Athener Aktienindex mittelfristig Auftrieb verleihen. Sollte dies der Fall sein, gehen wir davon aus, dass das Management des von uns in Deutschland vertriebenen Hellas Opportunities Fund seine bisherige defensive Ausrichtung in Form einer starken Untergewichtung des Bankensektors aufgeben und die Allokation in Bankaktien dann auch sukzessive aufstocken wird. Dadurch sollte der Fonds seine Outperformance gegenüber dem griechischen Aktienindex Athex 20 weiter ausbauen können“.

(von Birgit Willberger, Vorstand der Vermögensverwaltung Anodos Asset Management AG, Nürnberg)



(08.01.2016)

Athen, Griechenland


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Birgit Willberger

Geschäftsführerin der Vermögensverwaltung Anodos Asset Management GmbH, Nürnberg

>> http://anodos-am.de


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