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King Digital Entertainment unter der Lupe, im Vergleich mit Activision, Electronic Arts, Walt Disney, Gameloft, Ubisoft und Zynga (Michael Gredenberg)


King Digital Entertainment hat letzt Woche die Zahlen für das zweite Quartal 2015 veröffentlicht und damit die meisten Investoren schwer enttäuscht. Die Aktie verlor seit Bekanntgabe der Zahlen über 10% an Wert.

Als ersten Beitrag nach der Sommerpause werde ich dieses Unternehmen genau untersuchen um festzustellen, ob es sich lohnt gegen den Strom zu schwimmen und die Aktie letzt zu kaufen, bzw. ob man sich vielleicht aufgrund nicht erfüllter Erwartungen von der Aktie trennen sollte sofern man sie besitzt. Im Financeblog-wikifolio befinden sich derzeit übrigens Aktien von King.

King Digital EntertainmentKing Digital Entertainment – ein erfolgreicher Anbieter mobiler Spiele

 

King im Detail

King Digital Entertainment ist bekannt geworden durch “Candy Crush Saga”, ein Kassenschlager für Smartphones. Das Spiel wurde  Mitte 2012 vorgestellt und erklimmte rasch den ersten Platz in den Charts der meist geladenen Spiele im Apple App-Store bzw. Google Play Store (für Android Smartphones und Tablets) 

Das Spiel garantierte der Firma durch sogenannte “In-App-Käufe” also Käufe die man im Spiel tätigen kann Umsätze von bis zu USD 600.000 pro Tag(!)

Mittlerweile flacht das Interersse an diesem Spiel langsam ab und King möchte diese Lücke mit neuen Spielen füllen.

Die Kennzahlen von King aus dem Quartalsergebnis Q2/2015 im Vergleich zum Vergleichsquartal im Vorjahr (Q2/2014)
im Mio USD Q2/2014 Q2/2015 Veränderung
Umsatz 593,56 496,38 -16,37%
Nettogewinn 165,37 119,30 -27,86%
Umsatzrendite 27,86% 24,03%  
Eigenkapital 968,88 867,62 -10,45%
Gesamtkapital 1.441,78 1.220,24 -15,37%
Gesamtkapitalrendite 11,47% 9,78%  
GK-Rendite annualisiert 45,88% 39,11%  
Eigenkapitalrendite 17,07% 13,75%  
EK-Rendite annualisiert 68,27% 55,00%  
       
zahlende Kunden pro Monat (in Tausend) 10.423 7.589 -27,19%
monatlicher Umsatz pro Kunde (in USD) 19,54 23,26 19,04%

Die wichtigsten fundamentalen Kennzahlen aus dem aktuellen Quartalsergebnis für das zweite Quartal 2015 (1.3. – 30.6.) habe ich in der Tabelle zusammengefasst.

Sehr auffallend ist die starke Profitabilität des Unternehmens: eine annualisierte Gesamtkapitalrendite von über 39% kann sich sehen lassen. Auch die Gewinnspanne ist sehr gut.

Leider fällt ebenfalls auf den ersten Blick ins Auge, dass das Unternehmen arge Wachstumsprobleme hat – genauer gesagt sogar starke Umsatz- und Gewinneinbussen hinnehmen musste: Der Gewinn brach im Vergleich zum Q2/2014 um fast 28% ein, der Umsatz um über 16%. 

Das lässt sich auf die geringere Anzahl der zahlenden Kunden zurückführen: Diese nahmen um über 27% ab. Einziger Wehrmutstropfen: Der durchschnittliche Umsatz pro zahlenden Kunden konnte um 19% gesteigert werden, d.h. es gibt zwar weniger Kunden als vor einem Jahr, aber diese geben dafür mehr Geld aus.

Wie erklärt King das Quartalsergebnis:

In der Pressemitteilung von King zum Ergebnis des zweiten Quartals 2015 sind folgende wichtige “Highlights” erwähnt:

– Teilweise werden Währungskurseffekte für die Umsatzrückgänge verantwortlich gemacht: Der starke US-Dollar führte natürlich dazu, dass die Einnahmen in anderen Währungen weniger USD “wert” waren.

– Ohne diese Währungseffekte wäre der Rückgang des Umsatzes im Vergleich zum Vorjahr etwa 6%.

– Die Umsätze von anderen Spielen als “Candy Crush Saga” sind im Vergleich zum Vorjahr um 30% gestiegen, allerdings im Vergleich zum ersten Quartal 2015 um 14% zurückgegangen.

– Die Umsatzrückgänge sind insgesamt auf die “Reife” des Spieles “Candy Crush Saga” zurückzuführen. Das Spiel ist mittlerweile seit mehr als 3 Jahren am Markt und deshalb nicht mehr so “hype” wie bei Markteinführung.

– Man weist auch darauf hin, dass 3 neue Spiele derzeit unter den umsatzstärksten im Apple App Store und Google Play store gelistet sind. 

Details zum Quartalsergebnis findet man hier.

Welche Schlüsse kann man daraus ziehen?

King Digital Entertainment ist ein hoch profitables Unternehmen, welches mit einem Spiel (Candy Crush Saga) einen extrem großen Erfolg erzielen konnte.

Dieses Spiel ist nun in die Jahre gekommen und man bemüht sich mit anderen Produkten an den Erfolg anzuknüpfen. Das ist ähnlich wie bei Risikokapitalgebern: Von 20 Investments gehen oft 19 pleite und eines wird ein großer Erfolg.

Auf genau das spekuliert man, wenn man in King investiert ist: Ein neuer Erfolg wie Candy Crush Saga.

Man muss King aber auch zu Gute halten, dass sie es wirklich schaffen immer wieder Spiele auf den Markt zu bringen die es in die Hitparade der App-Stores schaffen. Wenn es also ein Unternehmen schafft regelmäßig  echte Kassenschlager zu produzieren dann wird das King sein. 

Derzeit sind die Kennzahlen des Unternehmens noch sehr gut und auch die Cashflows sind extrem stark. Es wurde sogar zweimal eine sehr hohe Dividende ausgeschüttet – die Aktie hätte bei gleichbleibender Dividendenausschüttung derzeit eine Dividendenrendite von über 10%. Natürlich ist fraglich ob angesichts der Wachstumsprobleme in nächster Zeit überhaupt noch eine Dividende ausgeschüttet wird.

Die Bewertung der Aktie:

Ich habe bereits einmal die Branche der digitalen Unterhaltung mit Schwerpunkt auf mobile Unterhaltung hier im Financeblog untersucht und damals entschieden die King-Aktie in das Financeblog-wikifolio aufzunehmen.

In der nächsten Tabelle stelle ich die aktuelle Bewertung der der damals durchleuchteten Unternehmen in Vergleich zu King dargestellt:

Bewertung KGV KBV KUV
ACTIVISION BLIZZARD 22,64 2,74 4,55
ELECTRONIC ARTS 23,40 6,50 5,09
WALT DISNEY 22,24 3,75 3,61
GAMELOFT -51,67 2,41 1,45
UBISOFT 22,84 1,99 1,31
KING 7,72 5,03 2,03
ZYNGA -13,93 1,29 3,15

King ist vom KGV her also sehr attraktiv bewertet – was sich natürlich durch den vom Markt erwarteten Umsatz- und Gewinnrückgang in Zukunft erklären lässt.

Das KBV ist bei King sehr hoch – nur Electronic Arts ist noch teurer. Das ist durch die hohe Profitabilität dieser beiden Unternehmen zu erklären.  Bei King weist das hohe KBV natürlich auch darauf hin, dass die Aktie noch “Luft nach unten” hat, sollte die Profitabilität schlechter werden und der Gewinn sinken.

Beim KUV ist King auch wieder attraktiv bewertet, was natürlich ebenfalls durch den erwarteten Umsatzrückgang in den nächsten Jahren erklärt werden kann.

Bewertung auf Basis des Cashflows im DCF-Verfahren:

Wendet man das discounted Cashflow Verfahren an um die zukünftig vom Markt erwarteten Cashflows zu berechnen so gelangt man auf folgende Resultate:

  EK-Kosten impliziter Zuwachs Marketcap
KING DIGITAL ENTERTAINMENT P 13,32% -11,43% 4.383,86
ELECTRONIC ARTS INC 9,15% 9,61% 22.975,67
WALT DISNEY CO/THE 9,89% 15,90% 184.060,91
GAMELOFT SE 12,44% 36,19% 328,34
UBISOFT ENTERTAINMENT 9,23% 44,49% 1.987,32
ACTIVISION BLIZZARD INC 9,26% 10,15% 21.360,30
ZYNGA INC – CL A 8,65% 62,73% 2.449,30

Bei King wird ein jährlicher Rückgang der Cashflows pro Jahr um 11,43% (im Zeitraum über die nächsten 10 Jahre) erwartet. Bei den Mitbewerbern hingegen ein teilweise beträchtlicher Zuwachs.

Fazit:

Die King-Aktie ist nichts für schwache Nerven, sie stellt ein höchst riskantes aber auch chancenreiches Investment dar.

Entweder King schafft es weitere Kassenschlager zu produzieren die die Kasse wieder – ähnlich wie Candy Crush Saga – füllen, oder es handelte sich bei Candy Crush Saga um ein “One Time Wonder” und die Umsätze sowie Gewinne erodieren langsam dahin – in diesem Falle würde natürlich auch der Aktienkurs noch sehr tief fallen.

Wir haben aber auch gesehen, dass bereits heute ein erheblicher erwarteter Umsatz und Gewinnrückgang in die Aktie eingepreist ist.

Sollte es King also gelingen weitere gute Spiele zu produzieren und wieder auf den Wachstumspfad zurückzufinden, so hätte die Aktie noch sehr viel Potential nach oben.

Da King ständig neue Spiele produziert denke ich, dass zumindest die Chance besteht, dass sie wieder einen (oder mehrere “Treffer”) landen. Aus diesem Grund werde ich die Aktie behalten.

Der Beitrag King Digital Entertainment unter der Lupe erschien zuerst auf Financeblog.



(18.08.2015)

mobile Spiele, iOS, Android, Candy Crush, Icons, Radu Bercan / http://www.shutterstock.com/editorial?cr=00&pl, (© www.shutterstock.com)


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Michael Gredenberg

Inode-Gründer. Heute u.a. passionierter Radfahrer und Finanzautor via financeblog.at.

>> http://www.financeblog.at


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