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Japan Petroleum Exploration – die Suche nach dem Haken (Daniel Koinegg)


Der jüngste Kauf von Nintendo hat mich dazu veranlasst, noch andere Unternehmen aus dem japanischen Raum zu betrachten. Eines davon ist die Japan Petroleum Exploration Ltd. (ISIN JP3421100003), oder kurz „JAPEX“. Es sei gleich darauf hingewiesen, dass ich diesen Titel (noch) nicht gekauft habe, er allerdings definitiv auf meiner engeren Watchlist steht. Die Gründe für mein Zögern sind einerseits die bereits sehr starke Exponierung in den Ölsektor und andererseits mein Wunsch, mal versuchsweise ein Unternehmen hier zur Diskussion zu stellen, während der Entscheidungsprozess noch läuft. Bei dieser Aktie würde mich also eine Leserbeteiligung via Kommentarfunktion und/oder privatem e-Mail-Kontakt (der selbstverständlich anonym behandelt wird) ganz besonders freuen.

Mit einer Marktkapitalisierung von umgerechnet ca. 1,5. Mrd. Euro gehört dieses Unternehmen, das ungefähr zu einem Drittel im Besitz der öffentlichen Hand ist, mit Sicherheit nicht zu den Ölriesen, wäre aber trotzdem groß genug, um auch am Radarschirm professioneller Investoren zu erscheinen. Umso mehr verwundert mich – nach einem ersten Blick auf einige Posten der letzten Bilanz zum 30.06.2014 – die Bewertung:

Cash and deposits 66 Mrd. Yen

Securities 43,5 Mrd. Yen

Investment Securities (longterm) 215 Mrd. Yen

Total Liabilities 161 Mrd. Yen

Ergibt netto 163 Mrd. Yen nicht betriebsnotwendiges Vermögen

Umgerechnet mit einem Kurs von 142 Yen beläuft sich die Net-Cashposition auf 1,15 Mrd. Euro oder knapp drei Viertel des Kaufpreises. Da allerdings ein nicht unwesentlicher Minderheitsanteil von ca. 72 Mrd. Yen (ca. 15% der gesamten „net assets“) im Eigenkapital erfasst ist, kann man wahrscheinlich nicht davon ausgehen, dass der gesamte Finanzmittelbestand auf die Aktionäre der Mutter entfallen würden. Ich habe hierzu vorerst keine weiteren Informationen gefunden und werde dementsprechend den Bestand vorläufig um die zuvor genannten 15% auf knapp unter 1 Mrd. Euro diskontieren.

Der gesamte Aktionärsbuchwert unter Berücksichtigung aller assets und nach Abzug der genannten Minderheiten beläuft sich auf ca. 441,5 Mrd. Yen bzw. 3,1 Mrd. Euro. Angesichts dieser Zahlen würde man bei einer Marktkapitalisierung von 1,5 Mrd. Euro eigentlich darauf schließen, dass es sich um ein Unternehmen mit tiefroten Ertragszahlen handeln muss. Bemerkenswerterweise hat die JAPEX im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres bereits knapp 10 Mrd. Yen oder knapp 70 Mio. Euro verdient. Ganz naiv hochgerechnet auf 280 Mio. Euro für das Gesamtjahr (mache ich natürlich für gewöhnlich nicht) hätte man für das laufende Geschäftsjahr ein KGV von 5,3. Im abgelaufenen Geschäftsjahr mit Ende März 2014 hat man umgerechnet ca. 200 Mio. Euro verdient, im Jahr davor gab es einen ganz kleinen Verlust. Die Suche nach einem Haken muss also weitergehen.

Als Laie war mein nächster, relativ offensichtlicher Tipp, dass man mit einem ziemlich heftigen Ertragseinbruch seit Ende Juni rechnen könnte, da ja die Ölpreise gerade in den letzten Wochen drastisch nachgegeben haben. In diesem Zusammenhang hat ein Pressestatement von Ende Oktober1 meine Aufmerksamkeit erregt, die Überschrift „Financial Forecast Revision“ stank schon mal sehr stark nach Gewinnwarnung. Aber was steht da drinnen?

Although net sales will decrease, operating income, ordinary income and net income for the six months ended September 30, 2014 will be higher compared to the previous one announced on May 12, 2014. The reason of decreasing net sales is due to delay of a tanker shipment of crude oil from the interest of Japex Garraf, therefore we changed the expected timing to record its sales from the second quarter to the third quarter on 2015 fiscal year (ending March 31, 2015). Our operating income, ordinary income and net income are expected to increase due to rising crude oil price, increasing investment income by the equity – method, decreasing tax expenses such as corporate tax and others for the six months ended September 30, 2014.

Das sitzt. Zwar erwarten sie einen niedrigeren Umsatz, weil eine Tankerlieferung später ankommt und deswegen der Erlös erst im dritten Quartal gebucht werden kann. Aber unter dem Strich erwartet man STEIGENDE Gewinne. Das Ganze ist also eine positive Gewinnwarnung. Im ersten Halbjahr erwartet man nun umgerechnet 132 Mio. Euro anstatt 95 Mio. Euro Nettogewinn.

Die Begründung dafür seien erstens gestiegene Wertpapierkurse. Das klingt logisch für ein Unternehmen mit dieser Bilanzstruktur, allerdings nehme ich, weise wie ich bin, nicht an, dass beispielsweise der Nikkei mit den Raten der jüngsten Vergangenheit ad infinitum weitersteigt, also ist Faktor eins eher ein Einmaleffekt.

Faktor Zwei sind sinkende Körperschaftssteuern. Nun, offensichtlich plant Shinzo Abe tatsächlich, diese zu senken2. Dass die Reform aber schon durchgegangen wäre, davon habe ich noch nichts gelesen bzw. auf die Schnelle heute auch nichts im Internet gefunden. Faktor 2 ist recherchetechnisch also noch in Schwebe.

Am meisten hat mich aber ohnehin Faktor 3 überrascht, nämlich „steigende Rohölpreise“. Wie bereits erwähnt kannten Ölpreise in jüngster Vergangenheit nur eine Richtung, nämlich nach unten. Im fraglichen 2. Quartal (Juli bis September) hat der WTI-Preis von >100 USD auf etwa 90 USD abgegeben, der Brent-Preis von 110 auf ein bisschen über 80 USD. Eine für mich plausible Erklärung, weshalb der Preis von in Japan verkauftem Öl bei derartig sinkendem Ölpreis steigen kann, ist der noch stärker abwertende Yen in Relation zum Dollar. Seit Anfang Juli hat sich der Wechselkurs von Dollar zu Yen von 1 zu 100 auf etwa 1 zu 110 verändert. Das erklärt auch noch nicht die gesamte Situation.

Was ich zumindest schon mal rausgefunden habe, ist, dass sich aufgrund des relativ langen Tankertransportes des Öls nach Japan die Preisdarstellung um etwa zwei Monate verzögert.3 Insofern könnte es also durchaus sein, dass diese positive Gewinnwarnung nur ein kurzes Strohfeuer darstellt und sich der jüngste massive Ölpreissturz erst Ende des dritten und Anfang des vierten Quartals in den Ergebnissen der JAPEX zeigt. Ein Teil dieses (möglichen) Problems wäre aber wiederum durch die im laufenden dritten Quartal bereits erfolgte weitere Yen-Abwertung kompensiert. Eine revidierte Fassung des Ausblickes für das Gesamtjahr wird jedenfalls am 7. November 2014 vom Unternehmen veröffentlicht und diese möchte ich zumindest noch abwarten, bevor ich mich entscheide.

Noch ein Gedanke zum Abschluss: Falls die gesunkenen bzw. noch weiter sinkenden Ölpreise (noch) zusätzlich auf die japanische Gesamtwirtschaft durchschlagen und diese zusammen mit den anderen „Pfeilen“ der „Abenomics“ aus ihrer jahrzehntelang andauernden Lethargie befreien, sollte sich dies eigentlich positiv auf den gesamten Nikkei auswirken (wenngleich die monetären und steuerlichen Gesichtspunkte dort sicherlich schon zu einem nicht unwesentlichen Teil vorweggenommen sind). Die JAPEX – die haufenweise damit korrelierte Wertpapiere in der Bilanz hat – könnte also einen gewissen „eingebauten“ hedge gegen sinkende Ölpreise zu besitzen. Ob da was dran sein könnte, muss ich mir erst ausmalen.

 

1http://www.japex.co.jp/english/newsrelease/pdf/JAPEX_revision_FY20141024_E.pdf

2http://www.google.at/url?sa=t&rct=j&q=&esrc=s&source=web&cd=3&cad=rja&uact=8&ved=0CDQQFjAC&url=http%3A%2F%2Fwww.bbc.com%2Fnews%2Fbusiness-27994913&ei=7SRZVJn1PIfX7Ab62YGYCQ&usg=AFQjCNEsnmHLANnLC471yCQEYJkzRVu0Gw&sig2=91SsDipHfBkXZXFctCgCXw&bvm=bv.78677474,d.ZGU

3 http://blogs.wsj.com/economics/2014/10/22/lower-oil-prices-seen-easing-japans-trade-pain/

 

Der Beitrag Japan Petroleum Exploration – die Suche nach dem Haken erschien zuerst auf Bargain.



(05.11.2014)

Tokyo, Menschen, Menschenmassen, http://www.shutterstock.com/de/pic-195147203/stock-photo-tokyo-japan-circa-may-passengers-hurry-at-ikebukuro-station-in-tokyo-japan-ikebukuru-is.html , (© (www.shutterstock.com))


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Daniel Koinegg

Der Praktikant.

>> http://www.bargain-investments.com


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